Das Tokaj ist Ungarns berühmtestes Weinbaugebiet. Der weltweite Ruhm der Region nahe der ukrainischen Grenze hat nie aufgehört zu existieren, selbst während der Zeit der planwirtschaftenden Kommunisten. Zwar lieferten mittelmäßige und schlecht arbeitende staatliche Kooperativen lange Zeit nur einen Abklatsch des Möglichen in die Welt, doch nach der politischen Wende fand die Region schnell zu ihrer Tradition zurück und internationale Investoren sicherten sich die besten Lagen.

Seitdem ist nicht viel geschehen. Zumindest nicht sichtbar. Doch ganz unbemerkt hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden, den kaum jemand mitbekommen hat.

Im Tokaj keltert man nun auch trockene Weine. Trockene Weine aus Furmint, jener autochthonen Traube, die Hauptbestandteil der Süßweincuvées ist.

Um herauszufinden, wie trockener Furmint schmeckt, muss man sich zu den beiden besten Winzern des Tokaj begeben, zu Istvan Szepsy und seinem Sohn. Beide haben sich einen beträchtlichen Wohlstand aufgebaut.

Istvan Szepsy sen. ist kein Patriarch alter Schule. Er war immer ein pragmatischer Richtungsweiser, jemand, der Ruhm und Anerkennung auch teilen kann. Einer, der die Grenzen sprengte und schnell berühmt wurde. Den Gewinn seines Weinguts hat er fast vollständig investiert, immer neue Flächen dazu gekauft, immer stärker auf Selektion und Qualität gesetzt. So bewirtschaftet er heute 52 Hektar. Und keltert 60.000 Flaschen. Für die Größe des Grundes ist das gar nichts.

Szepsys Flaschen sind hochpreisig. Der einfachste Furmint kostet um die zehn Euro, die exklusive Flasche im Handel, eine Auslese, etwa 100 Euro. Von den Essenzen ganz zu schweigen, die bekommen nur ein paar handverlesene Kunden.

Die Zukunft, so Szepsy sen., soll im Tokaj dem terroirbasierten Wein gehören, der Boden soll deutlicher bemerkbar werden, es ist ein speziell vulkanischer Boden, der vor allem trockenen Weinen eine eigene Note gibt. Nur trockenen Wein gibt es selten hier. Deswegen hat Szepsy vor sechs Jahren begonnen, trockene Furminte zu keltern, Weine, auf die die Welt nicht unbedingt gewartet hat. Aber Szepsy hat einen großen Namen, die neuen Tokajer laufen wie von selbst.