Zwischen 3000 und 10.000 Tomatensorten soll es auf der Welt geben. Niemand weiß es genau. Sie sind rot, gelb, grün, orange, zweifarbig, dreifarbig, groß, klein, rund, lang, birnenförmig und sie schmecken alle unterschiedlich. Wer sich intensiver mit der Solanum lycopersicum beschäftigt, kennt bald keine Langeweile mehr.

Meine Tomatenleidenschaft begann 2004, der Auslöser war eine TV-Dokumentation. Darin machten sich Lebensmitteltechniker auf die Suche nach der "besten Tomate der Welt", um sie in ihre geschmacklichen Bestandteile zu zerlegen, künstlich nachzubauen und Fertigpizzen und Kartoffelchips damit zu würzen. Ich machte mich auf die Suche nach Samen dieser ominösen Tomate "Grappoli Corbarino", die in einem kleinen Dorf am Fuße des Vesuvs angebaut wird – und fand sie auch.

Ohne groß nachzudenken versenkte ich 120 Samen in der Erde, und stand 14 Tage später plötzlich vor 115 Pflanzen, die unseren gesamten (sehr kleinen!) Garten in Beschlag nahmen. "Little shop of horrors", sagten die Blicke meiner Frau.

Doch es hatte mich gepackt. Ich probierte immer mehr Sorten aus und irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem ich fast den Überblick verloren hätte. Vor allem deshalb beschloss ich, ein Tomaten-Blog aufzusetzen, quasi als persönliches Notizbuch. Vielleicht, dachte ich, gibt es "da draußen" ja noch weitere Tomaten-Aficionados?

Und ja, es gibt diese "Tomaten-Verrückten" – weltweit! Sie betreiben Homepages, Blogs, verlinken sich, sind auf Facebook vertreten und twittern, so wie ich. Man kennt sich, diskutiert, tauscht Tomatensamen, und manchmal lernt man sich auch persönlich kennen. Mein "Tomaten-Netzwerk" spannt sich inzwischen über halb Europa, Amerika, Afrika, Indien bis nach Japan.

Doch warum ausgerechnet Tomaten? Weil es einfach ist, wenn man ein paar Dinge beachtet und ein kleiner Balkon schon ausreicht. Zunächst stellt sich die Frage, welche Sorten man bevorzugt: Für die Anzucht am Balkon habe ich sehr kleinwüchsige Pflanzen angebaut, wie zum Beispiel "Balkonstar", "Bianca", "Vilma" oder "Cherry-Red". Sie werden meist nur rund 50 Zentimeter hoch und tragen sehr viele Früchte auf wenig Raum. "Balkonstar" & Co eignen sich sogar für kleine Blumenkisten am Fenster.

Hat man einen Garten, kann man sich auch an die größeren Exemplare heranwagen: Stabtomaten (hochwachsend, müssen angebunden werden, daher der Name), Strauchtomaten (wachsen eher in die Breite), Cocktail- oder Rispentomaten (8 bis 16 Früchte pro Rispe) oder Fleischtomaten (sehr große Früchte, gut für Soßen geeignet).