Jörg Bretz kam der Liebe wegen nach Österreich. Und er konnte seine Liebe nicht nur komplettieren, er fand auch eine Rebsorte, die er schon aus Deutschland kannte: den Lemberger, in Österreich Blaufränkisch genannt und neben dem Grünen Veltliner die zweite große österreichische Rebe. Bretz erkannte, dass das Ursprüngliche gerade wieder Geltung erlangte, dass man auch in Österreich eine Rückbesinnung auf das Verwurzelte vorzubereiten begann. Doch er wollte keinen Blaufränkischen keltern, wie ihn jeder Winzer hier macht; Bretz suchte einen individuellen Weg. Und entdeckte den Faktor Zeit. Zeit hatte er jede Menge.

Bretz’ individueller Weg kann nicht die Wahrheit eines jeden Winzers werden. Er ist keiner, der sich dem Geschmack der Massen anpasst. Ebensowenig ökonomischen Zwängen. Bretz nimmt auch finanzielle Einbußen auf sich. Er ist ein Einzelkämpfer.

Das sieht man sofort. Ein schnell zusammengestellter Keller, das Notwendige in bester Verfassung, Zierrat und Design ganz weggelassen. Er selbst, ein mächtiger Kerl, trägt einfache Kleidung. Kein Luxus, nirgendwo. Sein Kapital ist sein Gespür für das Richtige.

Was ist das Richtige? Für Bretz heißt es, mit den Sorten der Region zu arbeiten, von der Natur zu lernen, die Weine ausdauernd reifen zu lassen und sie erst im Idealzustand auf den Markt zu bringen. Und sie so zu keltern, dass sie lange trinkreif bleiben.

Was seine Weine so einzigartig macht, sind die Vinifikation und der Ausbau. Der Blaufränkisch Reserve 1997 beispielsweise kommt von alten Rebstöcken, lag 24 Tage auf der Maische und wurde nicht gepresst. Der Wein lief frei ab.

Dann kam er zwölf Monate in ein großes Holzfass zur natürlichen Sedimentation. Erst danach wurde der Blaufränkische 60 Monate lang (!!) in kleine, gering getoastete Eichenfässer gefüllt, um danach erneut 22 Monate (!!!) im großen Holz zu reifen. 24 Monate ließ Bretz dem Blaufränkischen Zeit, sich in der Flasche zu fassen. Das macht insgesamt 118 Monate Ausbau, etwas über neun Jahre. In der schnelllebigen Weinwelt einfach unglaublich.

Ebenso verfährt Bretz bei seinen weißen Lageweinen, dem Chardonnay und dem Grünen Veltliner. Sie bleiben vier Jahre in diversen Holzfässern und reifen ein Jahr auf der Flasche nach. So kann man nur arbeiten, wenn man kein Geld braucht. Oder erst gar keines hat. Bei Bretz war es letzteres, bis 2005 besaß er kein eigenes Land und hatte nur einen Experimentierkeller. Die Trauben kaufte er von Bauern zu, Winzer, die nach seiner Anleitung arbeiteten.