Menschen, die das Schlachten von Tieren grundsätzlich falsch finden, werden wenig Verständnis haben für das Geschäftsmodell von André Riedinger. Aber für jene, die mit dem Verzicht auf tierische Produkte auf die schlechten Lebens- und Sterbebedingungen von Tieren in der Massenhaltung reagieren, könnte Riedingers Firma ein Lichtblick sein.

Im brandenburgischen Müncheberg baut der 32-Jährige seit gut vier Jahren gemeinsam mit seinem Partner Moritz Timm die Bio-Marke Wünsch-Dir-Mahl auf. Die wichtigsten Kundengruppe der jungen Unternehmer: Familien, die sicher gehen wollen, woher ihr Fleisch kommt; und Menschen, die sich vollständig fleisch- und tierproduktfrei ernähren.

"Vegan ist für uns auf jeden Fall ein Verkaufsargument. Wir respektieren und unterstützen aber auch die Haltung, die dahintersteckt", sagt Riediger. Dennoch hat Wünsch-Dir-Mahl auch Suppen mit Fleischeinlage im Angebot und kooperiert mit der Initiative Ei-Care, die als Alternative zu den Spezialrassen der Massentierhaltung die Züchtung von Hühnern fördert, die sowohl Eier legen, als auch Fleisch ansetzen.

"Mit dieser Zusammenarbeit und dem Fleischvertrieb unterstützen wir vor allem die Region", sagt Riediger, der selbst einst Bio-Bauer werden wollte und weiß, wie schwer ist, von der alternativen Landwirtschaft zu leben. Die Kälber und Lämmer, deren Fleisch Wünsch-Dir-Mahl regelmäßig vermarktet, stammen unter anderem vom Demeter-Hof Apfeltraum, einem der ältesten Bio-Betriebe Brandenburgs.

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Die männlichen Kälber der kleinen, im Sommer beinahe wild lebenden Mutterkuhherde werden geschlachtet, wenn sie älter als acht Monate sind. Wünsch-Dir-Mahl schickt vor jeder Schlachtung Bestelllisten für das Fleisch von Apfeltraum und anderen Höfen per Mail. Eine Woche nach der Bestellung liefern Riediger und Timm dann Lammrippen oder Rinderbraten direkt ins Haus. 

Ohne Mist keine Bio-Kartoffel

Ihr Hauptgeschäft jedoch sind fertige Bio-Suppen, die in einer ehemaligen Gastro-Küche in Müncheberg gekocht und in 650 Milliliter-Gläser abgefüllt werden. Die Suppen liefert Wünsch-Dir-Mahl an insgesamt etwa 300 Bio-Supermärkte in Großstädten, darunter Berlin, Hamburg, Bremen und Dresden. Die Bestseller: Rote Linsensuppe und Chili-con-Soja, beide vegan.

Als Produzent sieht Riediger die Chance, dass die beiden Bewegungen vegan und bio gemeinsam die nachhaltige Landwirtschaft und eine transparentere Lebensmittelwirtschaft voranbringen. Auch wenn die Biolandwirtschaft wie sie auf dem Apfeltraum-Hof praktiziert wird, auf tierischen Kreisläufen basiert. Die wichtigste Aufgabe der Tiere ist dort die Produktion von Mist, der für die Düngung der Gemüsefelder nach den Vorgaben der biodynamischen Landwirtschaft gebraucht wird.

Das Suppenangebot von Wünsch-Dir-Mahl

"Ich verstehe vegan als vorwiegend urbane Bewegung, die nach Antworten über die Herkunft von Lebensmitteln verlangt", sagt Riediger. Auch ihren eigenen Kunden müssen Riediger und Timm solche Antworten geben. Immer wieder melden sich vegane Suppenkäufer und wollen wissen, ob das Brandenburger Hähnchen-Allerlei und der vegane Erdnusstopf gleichzeitig eingekocht werden. Nein, antwortet Riediger dann und erklärt, dass vegane und nicht-vegane Suppen in der Wünsch-Dir-Mahl-Küche an unterschiedlichen Tagen zubereitet werden.

Statt vegan, bio und regional zu einem Einheitsbrei zu vermischen, wollen die beiden Unternehmer zeigen, wie gute Lebensmittel transparent hergestellt werden. Direkt vor den Toren der Großstadt, wo sich Rind und Bio-Kartoffel gute Nacht sagen.