Mädels, die auf dem Oktoberfest Maßkrüge schwingen? Heuchlerinnen! "Auf der Wiesn finden sie das cool, in der Bar bestellen sie doch wieder Wein. Oder", Monika Meinel-Hansen schaut angewidert, "Aperol Sprizz." Ihre Schwester Gisela nickt. Der Bierkonsum in Deutschland geht steil nach unten, 30 Prozent in den letzten 15 Jahren. Vor allem Frauen finden vergleichsweise wenig Gefallen am Bier. Es ist bitter, macht dick, Männerkram. "Frauen trinken viel zu wenig Bier", findet Gisela Meinel-Hansen. "Noch."

Die beiden Brauertöchter aus Hof haben nämlich gemeinsam mit zwei weiteren fränkischen Brauerinnen ein Bier speziell für Frauen gebraut. Holladiebierfee heißt es, kommt in dunklen Champagnerflaschen mit schickem pink-gelben Etikett daher und wird idealerweise aus langstieligen Kelchen getrunken. Fast wie Wein. Oder eben der leidige Aperol.

Im Garten der Brauerei Meinel in Hof stellt Gisela eine Flasche Mineralwasser und Gläser auf den Biertisch unter einer alten Kastanie. Sie würde gern etwas von ihrem Mädchenbier anbieten, aber leider sei alles ausverkauft. Schon wieder. Der erste Sud sei innerhalb weniger Tage weg gewesen. Gut, das sei ja auch nur ein Testlauf gewesen, 500 Liter, um Weihnachten 2012 herum.

Ihren zweiten Sud, 1.000 Liter, den sie im April eingebraut hatten, nannten die Schwestern Sommerbierfee. "Weil wir dachten, dass das bis September reicht", sagt Monika, die sich im Blaumann an den Tisch gesetzt hat. "Oder zumindest bis Juli", sagt Gisela, die Kronkorken als Ohrringe trägt. Dem war allerdings nicht so: Gut zwei Wochen nachdem das Bier fertig war, war es auch schon wieder weg.  

Hommage an Hildegard von Bingen

"Wir haben beim Bier ja nur vier Zutaten, aber bei jeder haben wir versucht, genau das rauszukitzeln, was Frauen schmeckt", erklärt Gisela. Die 25-Jährige ist diplomierte Braumeisterin und Biersommelière. Was rauskam nennen die Meinel-Schwestern einen "verrückten Wahnsinnssud", der keiner gängigen Bierklassifizierung entspricht. Die Sommerbierfee sei obergärig, aber kein Weißbier, weil mit Dinkelmalz gebraut. Eine Hommage an Hildegard von Bingen, die eine leidenschaftliche Dinkelbierbrauerin war.

Vom Hopfen her erinnert die Bierfee an englisch-amerikanische Biere. Sie ist hopfengestopft, das heißt, nach dem Brauvorgang ein zweites Mal mit Hopfen versetzt, Aromahopfen. Das ist teuer. Lohnt sich aber, weil das Bier dadurch ein reiches und je nach Hopfensorte fruchtig-blumiges Bouquet bekommt. "Frauen sind doch Nasenmenschen, die voll auf Geruch abfahren. Deshalb wollten wir sie mit dem Duft unseres Biers betören", sagt Gisela. Weil sie glauben, Frauen tränken lieber höherprozentige Getränke, "haben wir es bei 6 Prozent angesetzt und waren damit in der Starkbierklasse."