Cornelius Lange (versucht zwischen einer großen Menge an Flaschen, die vor ihm auf dem Boden stehen, eine bestimmte zu finden): Wo ist sie denn nur, eben hatte ich sie doch noch... (angelt eine Flasche heraus): Ah, da ist sie ja. Für mich ist das hier der Knaller des Jahres. Knyphausens 2012er Riesling aus dem Marcobrunn. Ein Wein, der neue Wege geht. So muss großer Riesling schmecken.

Fabian Lange: Muss denn Riesling immer trocken sein? Mein Favorit als bester süßer Riesling ist ein wahrer Klassiker – die feine Fruchtsäure ist bestens abgepuffert mit idealer Restsüße. Spätlese eben! Schon sein Name ist so ein herrlich unmodernes Weinbezeichnungsungetüm. Ich stelle mir immer vor, wie das Amerikaner oder Japaner auszusprechen versuchen: Von Schubert’sche Gutsverwaltung Maximin Grünhäuser Abtsberg Riesling Spätlese 2012. Länger geht es nicht – genau wie der Abgang dieses sagenhaft delikaten Weins.

Cornelius Lange: Ein schöner Wein, aber wohl nur etwas für Liebhaber – schade, aber die große Zeit der süßen Rieslinge ist leider vorüber. (Bückt sich und schiebt ein paar Flaschen zur Seite, um dann eine hochzuhalten) Hier, das ist für mich ein Wein der besten unbekannten Kollektion des Jahres, vom Weingut Hanka. Ein trockener Riesling aus Johannisberg im Rheingau. Generation 3 duftet vielschichtig und intensiv, verpasst einem den optimalen Kick am Gaumen und schwingt nach wie ein chinesischer Gong. Da könnte ich drin baden!

Fabian Lange(lässt einen Korken an die Decke knallen): Jetzt wird’s Zeit für den Schaumwein des Jahres. Da führt für mich an André Clouet kein Weg vorbei: Sein Silver brut ohne Dosage ist ein Traum! Clouet ist ein Magier des Pinot Noir, der auf den Grand-Cru-Lagen im Vallee de Marne wächst. Das ist endlich eine echte Alternative zu den langweiligen großen Markenchampagnern. Und ganz ohne jegliche Dosage, also Nullkommanull Zucker.

Cornelius Lange: Jaja, dein Champagnerfimmel...

Fabian Lange: (indigniert): Von wegen Fimmel, der ist wirklich unschlagbar!

Cornelius Lange: ... ich habe hier wirklich einen wichtigen Beitrag zur modernen Weinwelt, den Freakwein des Jahres! Das Weingut Roxanich aus Kroatien gehört für mich mit seinen grenzgängerischen Weinen zu den wichtigsten Neu-Interpreten der Önologie. Dieser Weißwein wird wie ein Rotwein vinifiziert, die Trauben also komplett mitvergoren, inklusive Schalen und Kerne – das Ergebnis ist ein sensationell androgyner Geschmack, die Kraft der Gerbstoffe trifft auf die elegante Aromatik eines Weißweins. Zusammen ist das echter Unisexwein, der zu allem passt, was man sich vorstellen kann. Für mich der Essensbegleiter überhaupt!

Fabian Lange: Dafür kommt für mich jetzt mein Amphorenwein des Jahres vom Weingut COS aus Sizilien. Er vergärt und reift in großen Tonamphoren mit 400 Litern Inhalt, inklusive Stielen und Stängeln. Über drei Monate lang! So ist der Pithos transparent in Farbe und Duft und nicht der übliche Dicksaft aus Sizilien. So lecker kann der Stoff aus der Amphore sein!

Cornelius Lange: Jetzt kommt der Biberwein des Jahres für mich. Biber lieben Holz – und auch manche Weintrinker: Der 2012er Herrenberg vom Weingut Seeger bekommt von mir die Auszeichnung als der am meisten mit Eichenholz traktierte Wein.