Man nehme eine sehr gute Köchin, einen bekannten Zeichner, bewährte Rezepte, eine Portion erprobten Witzes und einen Verlag, der sich auf leichte Kost versteht. Auf den Tisch kommt passend zur Jahreszeit (Frühling/Ostern) ein Kochbuch mit dem Titel: Das Gelbe vom Ei.  

Die hervorragende Köchin ist Léa Linster: Als bisher einzige Frau erhielt die Luxemburgerin den Bocuse d'Or, die höchste Auszeichnung in ihrer Branche. Der Gault Millau gibt ihrem Restaurant 17 von 20 Punkten, sie tritt in Fernseh-Kochshows auf, schreibt seit Jahren Rezepte für die Zeitschrift Brigitte und natürlich Kochbücher.

Peter Gaymanns Spezialität sind Hühner und Paarprobleme (letzteres ebenfalls für die Brigitte). Seit Jahrzehnten füllt er damit Bücher in der Kategorie Humor, der auch auf Tassen, Eierbecher und Frühstücksbrettchen passt.

Sagt ein Ei zum anderen...

Jetzt also Das Gelbe vom Ei, Untertitel: Huhnglaubliche Rezepte. Das Buch hält, was es verspricht: Rezepte mit Eiern und Rezepte mit Hühnerfleisch, manchmal mit beidem und alles ohne Scheu von Kalauern: Das mit zwölf Rezepten knapp bemessene Kapitel "Kleine Speisen vom Ei" wird eingeleitet mit "Ganz sicher keine Einerlei". In einem Cartoon sagt ein Eigelb sagt zum anderen: "Na, du Weichei". Brathähnchen liegen auf der Sonnenbank.

Léa Linster und Peter Gaymann: "Das Gelbe vom Ei"

Léa Linster versteht ihr Handwerk, verlangt von den Lesern aber erst mal wenig. Die erste Anleitung gilt tatsächlich dem Frühstücksei. Ausführlich erklärt Linster, wie sie ihr "Lieblings-Frühstücksei" kocht: vier Minuten im kochenden Wasser garen und noch eine Minute ziehen lassen. Das könnte man als auf das Wesentliche reduzierte Küche interpretieren, ist für eine Spitzenköchin aber vielleicht doch zu simpel. Immerhin wird ihr Frühstücksei frischgemachten Croûtons angerichtet. Wer sich am Herd etwas mehr zutraut, kann sich eine Seite weiter an Ei im Glas mit Speck-Croûtons wagen. Fürs edle Sonntagsfrühstück dürfen es Mini-Tartelettes mit cremigem Rührei und Kaviar sein.

Unter den lediglich 14 "Gerichten für Huhnriege" finden sich Klassiker wie Hühnerbouillon, Königinpastetchen und Coq au Vin. Etwas ungewöhnlicher und ebenfalls unkompliziert zuzubereiten sind das Perlhuhn auf Karamellkraut und Huhn auf Zimtsauce mit jungen Karotten.      

"Federleichte" Nachspeisen wie die unvermeidliche Crème Brûlée, Crêpes mit Apfelconfit und Zimtsahne, Zitronentörtchen mit Baisertupfen runden den Rezeptreigen ab. Ganz zum Schluss gibt es hausgemachten Eierlikör. Den habe ich in fünf Minuten aus vier Zutaten zusammengerührt – und nicht geschüttelt. Der Kalauer musste leider sein.