Ein Tag im Wald, so nennt Tarané Hoock einen ihrer Lieblingsentwürfe. Das Ensemble heißt nicht nur so, es besteht tatsächlich aus dem, was die Berliner Designerin an einem Nachmittag im Wald eingesammelt hat: Blätter, Moos, Gras und Blumen. Ein Stück Natur, zusammengehalten von Nähten und durchsichtigen Stoffbahnen.

Neugierig streift Hoock an dem Kleiderständer ihres Modepartners Ryota Shiga vorbei und staunt: "Er arbeitet auch mit Natur-Prints und Organza, so wie ich!" Die 29-jährige Berlinerin und der 24-jährige japanische Designer sind eines der beiden Paare, die auf den Asien-Pazifik-Wochen in Berlin ihre Kollektion präsentieren. Das zweite Team besteht aus der Berlinerin Fay Alice und der Koreanerin Nami Miyung. Die Idee ist, dass jeder Designer seine Kollektion am Abend der Modenschau aus der Hand geben und das Styling dem Partner vom anderen Kontinent überlassen soll.

Das modische Rahmenprogramm der Asien-Pazifik-Wochen wurde schon vor zwei Jahren von den Fashion Patrons gestaltet, einer Modeagentur, die sich als Mittler zwischen jungen Designern, Industrie und Wirtschaft versteht. Damals wurden zahlreiche Modeschaffende aus dem asiatischen Raum geladen. Was vor zwei Jahren noch den Anschein eines bunten Sammelsuriums hatte, ist nun sehr formalistisch verkürzt. Es hat dem Projekt sehr gut getan, zumal da sich mit Tarané Hoock und Ryota Shiga zwei innovative Designer gefunden haben, die sich in ihrer Arbeit und Methodik verblüffend ähnlich sind.

Sehen Sie hier Bilder aus den aktuellen Kollektionen von Tarané Hoock und Ryota Shiga © Tarané Hoock

Die Natur beherrscht die Arbeiten beider. Hoock, die 2008 als Jahrgangsbeste der Modeschule Esmod ihren Abschluss gemacht hat, versteht ihre Mode immer auch als künstlerisches Konzept: "Meine aktuelle Kollektion ist inspiriert von einem nächtlichen Spaziergang durch einen verschneiten Wald." Transparente Capes, die aussehen wie umgekehrte Blütenkelche, durchscheinende Umhänge, die bei jeder Bewegung flattern, Stoffe, die mit zarten Gräserprints verziert sind, lassen die Trägerinnen aussehen wie Elfen, die jeden Moment mit den Schatten des Waldes verschmelzen könnten.

Auch Ryota Shiga, der in Tokyo und Antwerpen studiert hat, widmete seine Kollektion der Natur. Jedes Element seiner Mode steht für eine Jahreszeit. "Die grafischen Naturdrucke symbolisieren den Frühling, die drapierten Schnitte den Sommer, die roten Farbelemente die Blätter im Herbst und die dominierende Farbe Weiß den Winter." Die Liebe des Menschen zur Natur sei ihm wichtig, sagt der Designer, "sein Verschmelzen mit ihr".