"Findest du etwa auch, dass Mützenträger ein Schimpfwort ist?", fragt Johnny, als wir uns in die Schlange vor der Berliner Bar Tausend einreihen. Seine Kopfbedeckung ähnelt einem langen Strumpf, den man sich überzieht und der am Hinterkopf noch genug Platz lässt, um ein kleines Nagetier zu transportieren. Sie wird "Beanie Hat" genannt, in Amerika ist "bean" ein Slangausdruck für Kopf.

"Beanies" werden bevorzugt in der Skate-, Reggae- und Grunge-Szene getragen. Vermutlich, weil sie so großzügig geschnitten sind, dass sich Dreadlocks oder lange Haare darunter hervorragend verpacken lassen. Bei uns tragen besagte "Beanies" plötzlich nicht nur Teenager mit Skate-Ambitionen, sondern auch Erwachsene, die weder Haare noch ein Brett besitzen.

"Ich finde, dass du deine Wurstpelle abnehmen solltest, da wir sonst nie in den Laden reinkommen", mosere ich. "Und ja, Mützenträger ist definitiv kein Kompliment." Natürlich nimmt Johnny seine Mütze nicht ab, schließlich gehört sie zu seinem Outfit. Er setzt sie auch nicht ab, als wir an der Theke sitzen und Cocktails ordern. Sein Argument: Eine Frau würde ja auch nicht auf die Idee kommen, mal eben so ihre High Heels auszuziehen, nur weil die Bar mit Teppichboden ausgelegt ist. Die Mütze bleibt auf, sie gehört zum Look.

Früher wurden Kopfbedeckungen getragen, um sich vor Wind, Kälte oder Zug zu schützen. Heute ist die Mütze zu einem Fashion-Accessoire verkommen. Das irritiert. Denn es ist schlicht unhöflich, den Hut oder die Mütze nicht abzunehmen, wenn man die Straße und damit die Kälte verlässt. Das war schon immer so und das soll bitte auch so bleiben. Davon abgesehen ist die "Beanie-Mütze" nicht sehr dekorativ, denn sie verformt die schönsten Hinterköpfe.

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Männern sehen darin aus wie ein Waldschrat, und man stellt sich unweigerlich die Frage, ob sich unter dem Strickschlauch ungewaschene, fettige Haare verstecken. An Frauen sehen die Mützen noch absurder aus, besonders dann, wenn sie mit Pailletten, Perlen oder anderem Popanz bestickt sind.

Eine Freundin versuchte mir den Trend neulich schmackhaft zu machen, in dem sie die Mützen als "gemütlich" und "schlumpfig" beschrieb. Mir ist allerdings nicht klar, was gemütlich daran sein soll, einen Ballon Wolle im Nacken hängen zu haben. Einziger Vorteil vielleicht: Es hält den Nacken warm. Aber ganz ehrlich – wer will schon aussehen wie Schlumpfine?