Jacke? Oder Hose? Was der Nachwuchsdesigner Sam Frenzel am Eröffnungstag der Berlin Fashion Week auf dem Laufsteg präsentierte, passt in kein Schema. Viele seiner Entwürfe lassen sich nicht einmal einer Kategorie von Kleidungsstücken zuordnen, geschweige denn mit etwas vergleichen. Und das ist das Sensationelle.

Der 29-jährige Designer, der im Sommer auf der Berliner Modewoche - noch als Student - den Nachwuchspreis der Modefirma Peek & Cloppenburg "Designer for Tomorrow" gewann, begeisterte das Fachpublikum mit der überraschendsten, kreativsten und humorvollsten Show des Tages. "Was er macht, ist einfach großartig", befand die US-Mode-Expertin Melissa Drier, die seit den achtziger Jahren in Berlin lebt und für die amerikanische Presse über deutsche Mode schreibt.

Schon zu Beginn der Schau zauberten Sam Frenzels Entwürfe den Gästen ein freundliches Lächeln ins Gesicht: Eierschalenfarbene Ballonröcke waren zu sehen, aus daumendicker Wolle gestrickte Overalls in Neon-Pink und Strickjacken aus beigefarbenen Wollwülsten, Capes und Kleider mit Volumen an unerwarteten Stellen, Glocken- und Tulpenröcke sowie zarte Seidenkreationen, die durch geschickt platzierte Reißverschlüsse ihre Form bekamen. Gekrönt wurden viele Outfits durch schmale Kappen mit einem Loch, durch das die zum Dutt gebundenen Haare der Models herauslugten.

Im Kontrast zu diesen weichen, runden und verspielten Outfits, die gut in die Märchenwelt von Alice im Wunderland gepasst hätten, standen gerade geschnittene Pailletten-Blazer ohne Ärmel und mit schwebenden Schulterpartien, sowie die eckig geschnittenen Bustier-Einteiler in Weiß mit neonfarbenen Sprenkeln.
Wie schon bei seiner Vorführung zur Preisverleihung im Sommer hat Sam Frenzel auch für diese Kollektion Schmuck und Accessoires selbst entworfen. Tellergroße Halsgeschmeide, besetzt mit transparenten Steinen in Pyramidenform, schmückten seine Models.

Für so viel Fantasie braucht es mutige Trägerinnen. Popsängerin Lady Gaga wäre eine passende Kundin. Aber reicht das auch für den kommerziellen Durchbruch eines Berliner Jungdesigners? Das Publikum am Bebelplatz jedenfalls jubelte beim Anblick der ausgefallenen Kreationen. Zumindest die Accessoires werden sich gut vermarkten lassen.