In Hans Christian Andersens Märchen Des Kaisers neue Kleider aus dem Jahr 1837 gelingt es findigen Gaunern, dem Kaiser weiszumachen, man verkaufe ihm unsichtbare Gewänder, die so besonders seien, dass nur Menschen von hohem Stand sie sehen könnten. Ein Schauermärchen, das den Kaiser am Ende nackt dastehen lässt. Zugleich zeigte es schon damals: Wer Kleider verkaufen will, muss eine gute Geschichte erzählen.

Das gilt auch noch heute. Zum Beispiel für die mehr als 900 Aussteller, die sich bis Freitagabend in den Hallen des ehemaligen Postgüterbahnhofs am Berliner Gleisdreieck auf der Modemesse Premium gegenseitig Konkurrenz machten.

Vom gläsernen Schuh, den Aschenputtel im Märchen der Gebrüder Grimm auf einem Ball verliert, haben wir eine ziemlich klare Vorstellung – ein klassischer Pumps, Sechs-Zentimeter-Absatz, die Spitze weich abgerundet. Rotkäppchen stellt man sich eher in roten Samtballerinas vor, während die meisten männlichen Protagonisten (mit Ausnahme des gestiefelten Katers) in unserer Vorstellung eher ausgelatschte Lederschlappen tragen, rund geschnitten, vorne ausladend gewölbt, mit müde herabhängender Lasche, aus unverwüstlichem braunen Leder. Genau solche Schuhe gab es auf der Premium in Massen zu sehen.

Wie beim "Gestiefelten Kater": Stiefel in Beige- und Brauntönen des dänischen Labels "Munderingskompagniet"

In ihrer klassischsten Form fand man die Lederschlappen bei dem Italienischen Hersteller Shoto: in Braun und Matschgrün, geschnürt oder mit Reißverschluss. Das Kopenhagener Label Munderingskompagniet bietet im kommenden Winter beigefarbene und braune halbhohe Latschen in Wildleder an, mit grober Schnalle und Patina auf dem Vorderblatt. Bei Pantofola d'Oro aus Italien mutierte der Ur-Stiefel zum Vintage-Sportschuh, das ebenfalls italienische Label Primabase besetzte seine an Cowboystiefel erinnernden Modelle in Matschfarben und Schwarz mit Messingnieten und variiert dazu unterschiedliche Schnallen.

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Klassisch geschnittene Herren-Stiefel im Vintage-Look präsentierte die Londoner Schuhfirma Hudson, die sich seit einiger Zeit auch erfolgreich an maskulinen Damenschuhen versucht. Diese entführen ihre Trägerinnen vielleicht nicht unbedingt in Märchenwelten, verleihen ihnen aber auf jeden Fall den Londoner Bohème-Schick à la Kate Moss.

Der Traum von einer besseren Welt beherrscht die Mode offensichtlich gerade in Krisenzeiten. Das zeigte die große Auswahl an Bio-Labels auf der Premium. So Pure by Sense Organics aus Hamburg etwa bot eine große Auswahl an Baumwoll-Oberteilen und Hosen an, die sich sowohl zum Yoga eignen, als auch als elegante Basics für jeden Tag.

Bei Portocolonia aus Köln gibt es im kommenden Winter ökologisch korrekte Pullover, Jacken und Mäntel aus Wollstoffen in den Farben Grau bis Senfgelb, während das Aachener Öko-Label Lana Naturalwear auf zurückgenommene Muster setzt. Mäntel, Kleider als auch Strickjacken aus der aktuellen Kollektion haben sehr gedeckte Farben.