Den Namen Boris Bidjan Saberi kennen bisher nur Eingeweihte. Karl Lagerfeld zum Beispiel trägt Saberi. Und wenn sich auch Didier Grumbach, der Präsident des französischen Schneiderverbandes, den Wecker stellt, um samstagmorgens Saberis Show auf der Pariser Männermodewoche zu sehen, so ist das ein gutes Zeichen.

Saberi wuchs in München als Kind einer deutschen Mutter und eines persisches Vaters auf. Schon seine Eltern waren in der Modebranche. Bis zu seiner Geburt führten sie ein eigenes Label. "Ich habe schon als kleiner Junge sehr viel Wert auf meine Kleidung gelegt und war immer unzufrieden mit dem, was es zu kaufen gab", sagt der 32-Jährige. "Also habe ich angefangen, die Sachen umzuändern." Schon als Teenager setzte sich Saberi an die Nähmaschine seines Vaters. Später arbeitete er als Verkäufer in Skaterläden. Heute noch erkennt man den Einfluss der Hip Hop- und Skateboard-Kultur in seiner Mode.

Mit 24 beschloss Saberi, nach Barcelona zu gehen, um Mode zu studieren. Er war ein mehr als ambitionierter Schüler. Er wäre am liebsten abends noch länger in der Schule geblieben, um weiter zu arbeiten, erzählt er. Seine Mitschüler hätten ihn sicher für einen Streber gehalten. Bereits während der Ausbildung brachte Saberi seine eigene Accessoire-Linie "U CAN FUCK WITH" auf den Markt. Nach seinem Abschluss, den er 2006 mit der besten Kollektion seines Jahrgangs machte, startete er sein eigenes Label unter eigenem Namen.

Saberis rauer, von düsteren Farben geprägter Stil, wird von Modekritikern gerne mit Ann Demeulemeester oder Rick Owens verglichen. "Am Anfang hat mich das gestört, schließlich will ich etwas machen, was es vorher noch nicht gab", sagt Saberi. "Aber es ist eine Stilrichtung, die im Moment eben in der Luft liegt. Wir ticken einfach alle ähnlich." Man gehöre zur gleichen, schwarzen Familie (zu der im Übrigen auch Saberis Münchner Jugendfreund Damir Doma gehört). Mit "der Familie" meint Saberi das, was in der Branche Avantgarde genannt wird.

Was man darunter versteht? Nach den Worten Rick Owens ist es Eleganz, gepaart mit einem Hauch Schlampigkeit. Die Kunst, gepflegt nachlässig auszusehen. Diese Beschreibung trifft mit Sicherheit auch auf Saberis Mode zu. Trotz aller Parallelen, vor allem was die Vorliebe für die Farbe Schwarz betrifft, habe doch jeder seine ganz eigene Persönlichkeit, meint Saberi. Sein Faible für Schwarz sei durch seine Mutter beeinflusst. "Als ich klein war, habe ich ihr gerne beim Anziehen zugeschaut. Sie hatte ein bestimmtes schwarzes Kleid, das sich mir eingeprägt hat", erzählt er. Saberi ist der Meinung, dass diese frühen Kindheitserinnerungen für seinen Stil eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Bei genauerem Hinsehen hat Saberi tatsächlich nur wenig mit einem Rick Owens zu tun. Im Gegensatz zu den Kreationen des exzentrischen Amerikaners, die immer eine coole Rockstar-Attitüde haben, erinnern Saberis Figuren eher an geheimnisvolle Nomaden aus der Wüste. Auch dies wieder ein Einfluss aus der Kindheit, wie er sagt: "Durch meinen persischen Vater hatten wir zu Hause oft Gäste aus Iran, die Turban trugen." Daher käme vermutlich seine Liebe für Verhüllungen. Teile des Gesichts zu verdecken sei für ihn außerdem eine Form des Understatements, sagt Saberi.

Dazu passt, dass der Designer keine großen Inszenierungen liebt – schon gar nicht, wenn es um seine eigene Person geht. "Berühmt sein ist nicht der Teil, der mich an Mode interessiert." Er sei kein Show-, sondern ein Produktdesigner, sagt Saberi. Besser noch: ein Handwerker.