Männer sind darauf programmiert, ihre Gene zu verbreiten, um möglichst viele gesunde und überlebensfähige Nachkommen zu zeugen. Menschen leben nur so lange monogam, bis sie ihren Nachwuchs großgezogen haben. Auf diese Thesen der Evolutionsbiologie beriefen sich bislang viele Paarforscher, um das Phänomen der Untreue – angeblich geht jeder zweite Deutsche fremd – zu klären.

Ist Untreue wirklich genetisch bedingt? Tatsächlich hat eine aktuelle Studie des Karolinska Instituts in Schweden ergeben, dass die Beziehungsfähigkeit von Männern von einem bestimmten Gen beeinflusst wird. Dieses Gen ist für die Regulation des Hormons Vasopressin zuständig, von dem bekannt ist, dass es in hohen Konzentrationen Wühlmäuse anhänglicher macht.

Das Team um den Biologen Hasse Walum untersuchte 552 Zwillingspaare und fand heraus, dass Männer, bei denen das Gen so verändert war, dass es einen niedrigeren Vassopressin-Spiegel verursachte, eher unverheiratet waren. Bei den Verheirateten unter ihnen häuften sich die Partnerschaftsprobleme.

Wenn die Männer gar über zwei Varianten des Gens und einen dadurch noch geringeren Vassopressin-Spiegel hatten, standen sie im vergangenen Jahr doppelt so oft einer ernsten Beziehungskrise gegenüber als ihre Geschlechtsgenossen ohne diesen Gentyp. Der Forschungsleiter will aus seinen Ergebnissen jedoch kein "Untreue-Gen" ableiten. Die Studie habe lediglich die Stabilität von Ehen untersucht, sagte Walum der New York Times .

"Dass Untreue an den Genen liegt, ist ein Entschuldigungsmuster, das vor allem von Männern kommt und mich immer unsäglich geärgert hat", sagt der Berliner Psychologe, Psychotherapeut und Autor Wolfgang Krüger, der das Thema seit 30 Jahren erforscht. Die Debatte verstelle den Blick auf die eigentliche Ursache für einen Seitensprung. Die liege in etwa 60 Prozent der Fälle schlicht und ergreifend darin, dass der Betreffende in einer unglücklichen Beziehung lebt. "Obgleich der Seitensprung weitverbreitet ist", sagt Krüger, "sollte man ihn nicht als Betriebsunfall der Liebe ansehen, denn er weist im Allgemeinen auf eine Störung der gesamten Liebesbeziehung hin."

Umgekehrt gilt aber auch: Menschen in glücklichen Partnerschaften lassen sich nicht so schnell verführen. Der Psychologe John Lydon von der McGill-Universität in Montreal untersuchte, wie gebundene Männer und Frauen auf Avancen reagierten. Er zeigte verheirateten Männern und Frauen, die sich ihren Partnern sehr verbunden fühlten, Fotos des jeweils anderen Geschlechts und bat sie, deren Attraktivität einzuschätzen. Wie zu erwarten, wurden die Bestaussehendsten am höchsten bewertet.

Das änderte sich jedoch, als den Teilnehmern Bilder mit dem Hinweis vorgelegt wurden, dass die Fotografierten bereit für ein Treffen wären. Diesmal wurden die Abgebildeten als weniger anziehend eingestuft. Menschen in einer glücklichen Beziehung scheinen demnach einen instinktiven Schutzmechanismus gegenüber Menschen zu haben, die ihre Partnerschaft bedrohen könnten.