Wu, das Wunderkind

Die großen Namen prägten natürlich auch in diesem Herbst die Fashion Week: Marc Jacobs, Tommy Hilfiger, Donna Karan, Diane von Furstenberg und Michael Kors. Doch was sich schon in der letzten Saison andeutete, war diesmal nicht mehr zu übersehen: Eine neue Generation an Modemachern ist auf dem besten Weg, die alten Stars abzulösen.

Für diese Gezeitenwende ist eine Handvoll junger Designer verantwortlich, die überwiegend asiatischer oder asiatisch-amerikanischer Herkunft ist. Am begehrtesten waren in dieser Saison Karten für die Schau von Alexander Wang. Zu Recht.

Der 26-jährige Amerikaner aus taiwanesischem Elternhaus überzeugte nach seiner hoch gelobten, düsteren Herbst- und Winterkollektion, die Elemente aus Grunge und Gothic zitierte, nun mit einer optimistischer anmutenden Sommerlinie.

Sehen Sie hier die aktuellen Kollektionen der Designer auf der New York Fashion Week © Eric Thayer/Reuters

In der kommenden Saison sieht Wang seine Kundinnen nicht mehr in dem bisher von ihm bevorzugten Schwarz und Dunkelgrau, sondern schneidert ihnen knöchellange weite Kleider und Röcke, transparente Bomberjacken und technoide Westen in weiß, mintgrün und apricot auf den Leib. Auch seine Models ließ der Designer ganz puristisch auftreten: ungeschminkt und mit weißen Farbstreifen im Haar präsentierten sie die Kollektion.

Erst zum zweiten Mal bei der New York Fashion Week und schon ganz oben mit dabei ist auch der in Singapur geborene Prabal Gurung. Seine neue Kollektion sei "eine Studie über die Macht der Weiblichkeit", sagte der Designer dem T Magazine der New York Times. Er kreierte für den kommenden Frühling elegante Cocktail-Kleider und hautenge Röcke in kräftigen, bunten Farben – Demi Moore und Michelle Obama gehören bereits zu seinen Kundinnen.

Durch die amerikanische First Lady wurde auch Jason Wu berühmt. Der 27-jährige Designer mit chinesischen Wurzeln verkaufte Michelle Obama das Kleid, das sie zur Amtseinführung ihres Gatten trug. Wus Frühjahrskollektion 2011 fand bei der Fashion Week ebenfalls großen Anklang bei der Presse, die ihn "the Wunderkind Designer" taufte.

 

Sein chinesischstämmiger Kollege Derek Lam wird von der Modebranche momentan sogar als neuer Michael Kors gehandelt. Beide Designer konzentrieren sich in ihren aktuellen Kollektionen auf eine einfache, lockere Silhouette, dezente Farbtöne und einen sportlich-femininen Look.

Zwischen so viel Lob fiel das harsche Urteil über eine Designerin allerdings umso deutlicher aus. Donna Karan wurde für ihre komplett in beige gehaltene "Wüsten-Kollektion" von der einflussreichen Modekritikerin Suzy Menkes scharf kritisiert. Karans Frühjahrskollektion sei nur "ein blasser Schatten ihrer lebendigsten Schaffensphase", schrieb Menkes. Vielleicht gibt es ja im nächsten Jahr einen zweiten Frühling für die Designerin.