Dawid Tomaszewskis Atelier befindet sich im Erdgeschoss eines gediegenen Charlottenburger Altbaus. Es ist kurz nach Mittag an einem brütend heißen Spätsommertag. Aber hier drinnen ist es kühl und beim Anblick der bodenlangen Roben, die der Designer ordentlich auf einer Stange aufgereiht hat, könnte man annehmen, dass selbst die Kleider in diesem Atelier vor äußeren Einflüssen sicher sind.

Auf jeden Fall sehen sie nicht aus wie die Berliner Straßenmode, den hautengen Jeans und den bunten Jersey-Shirts, die man überall sieht. "Mode hat nichts mit dem Bedrucken eines T-Shirts zu tun", sagt Tomaszewski. "Für mich ist Mode etwas Nachhaltiges." Ein Kleid müsse so verarbeitet sein, dass man es auch in zehn Jahren noch gerne aus dem Schrank nimmt.

Seine trägerlose Robe in einem hellen Grauton und einem Rückenelement, das mit roten Kristallsteinen besetzt ist, könnte so ein Kleid sein. Das creme- und anthrazitfarbene Cocktailkleid mit Hunderten von papierdünnen Seidenvolants ist ebenfalls ein zeitloses Modell. Wie der Großteil von Tomaszewskis Kollektionsstücken wurde es in seinem Atelier von Hand gefertigt. "Ein Kleid in Handarbeit zu nähen", sagt Tomaszewski, "bedeutet, es mit Inhalt zu füllen."

Eine seiner vier Mitarbeiterinnen ist gerade dabei, glänzende, schwarze Pailletten übereinander geschichtet auf einen Probestoff zu nähen. Die Näherin arbeitet sich dabei nicht nur die Finger wund, ihre Nagelbetten sind schon übersät mit blutig roten Einstichen.

Manchmal muss ein Stoff sogar komplett auseinander genommen werden. In seiner aktuellen Winterkollektion 2010 gibt es Kleider, deren Materialien Tomaszewski zunächst aufschnitt, ausfranste und anschließend wieder zusammennähte. Die Volants seiner Sommerkollektion hat er aus einer Stoffschnecke ausgeschnitten, von Hand gefärbt, zum Trocknen im Innenhof aufgehängt und gebügelt. "Mit der Nähmaschine wäre das unmöglich gewesen, die Stoffe sind dazu zu fein", sagt er.

Bis zu 15 Meter Seide stecken in einem einzigen Kleid. Zusammen mit den aufwendigen Applikationen erinnern die Roben an Skulpturen, wie etwa an Richard Serras Torqued Ellipses. Die verdrehten, rostigen Stahlkreise des Bildhauers haben Tomaszewski zu seiner kommenden Sommerkollektion inspiriert. "Bildhauer erfinden oft neue Wege, Materialien zu verarbeiten und das versuche ich auch."