Es ist kühl in dem spärlich beleuchteten Kellergewölbe in Berlin-Mitte. Elf verhüllte Gestalten führen die Besucher durch die dunklen Hallen. In elf Lichtkegeln hängen Kleidungsstücke von der Decke: Jacken, Hosen, Schuhe. Ein gespenstischer Anblick. Plötzlich durchbrechen DJs, Beatboxer und Drummer die Ruhe. Zwei Breakdancer toben sich auf der Bühne aus – alle gekleidet in Boris Bidjan Saberi.

"Eleven" ist keine gewöhnliche Modenschau. Saberi zeigt die Highlights seiner bisherigen Kollektionen im Kontext der Hip-Hop-Kultur, in der er seinen Stil verortet. Der Designer gilt als einer der jungen Wilden der Modeszene, seine avantgardistische Männerlinie präsentiert er regelmäßig in Paris. Der Sohn einer deutschen Mutter und eines persischen Vaters sieht sich selbst als Handwerker, er arbeitet gerne mit Verhüllungen und eigenwilligen Schnitten.  Zu den spektakulärsten Entwürfen, die in Berlin zu sehen waren, zählen ein Jackett aus transparentem Leder und eine maßgeflochtene Lederjacke.

ZEIT ONLINE: Herr Saberi, was hat Hip-Hop mit Avantgarde-Mode zu tun?

Boris Bidjan Saberi: Eleven soll zeigen, inwiefern mein Stil avantgardistischen Hip-Hop verkörpert. Berlin ist für mich Hip-Hop. Es verfügt über eine wahnsinnige Street-Attitude, verglichen mit anderen Städten in Europa. Avantgarde bedeutet für mich, dass du dich aus dem Fenster lehnst und neue Wege gehst – deshalb findet meine Veranstaltung auch abseits der Berliner Fashion Week statt.

ZEIT ONLINE: Wäre das aber nicht besser fürs Geschäft gewesen? Immerhin wollen Sie auch Ihre Kollektion vorstellen.

Saberi: Ich sehe mich nicht als Modedesigner, sondern als jemanden, der ein Handwerk erlernt hat, das ihn nicht mehr loslässt, weil es ihn zu sehr interessiert. Mein Anspruch ist es, ein gutes Produkt zu machen, und nicht, ein berühmter Designer zu sein. Daher sind mir Modetermine eigentlich völlig egal. Nach Paris muss ich, weil es für Avantgarde-Design steht. Wenn ich das nicht machen würde, wäre es mein finanzieller Ruin.

ZEIT ONLINE: Sie haben die Veranstaltung Eleven genannt. Was hat es mit der Zahl auf sich?

Saberi: Die Elf ist einer meiner Identitätspunkte, mein Geburtstag. Ich bin Numerologie-Fetischist. Das ist mein Spleen. Ob Namen oder Schnitte – ich baue überall Nummern ein.

ZEIT ONLINE: Wegen der düsteren Farben Ihrer Entwürfe werden Sie zur Familie der "schwarzen Modemacher" gezählt.

Saberi: Ich bin kein Farbdesigner. Es liegt mir nicht. Ich arbeite mit Formen und Schnitten. Für mich bedeutet Perfektion, den Körper zu spüren – den Stoff, den Schnitt, die Form. Wenn ich über die Straße laufe, will ich mich beschützt fühlen. Das ist der Ursprung des Kleidungsstücks. Zugleich will ich mich stark fühlen, jeden Muskel spüren. Deswegen sind meine Hosen beispielsweise so steif.