Wenn man von junger skandinavischer Mode spricht, ist sein Name nicht wegzudenken: Henrik Vibskov. Der 38-Jährige steht nicht nur für den klaren nordischen Stil, als einer der einzigen skandinavischen Designer zeigt er auch in Paris. Seine Entwürfe zeichnen sich durch ihre sachliche Linienführung aus, Vibskov verwendet gerne grobe Stoffe und die Primärfarben cyan, magenta und gelb. Seine Kollektionen sind außerdem geprägt von den Einflüssen der belgisch-niederländischen Schule, dem Konzeptualismus Viktor und Rolfs sowie der poppigen Verspieltheit Walter Van Beirendoncks.

Vibskovs Studio befindet sich in einem ehemaligen Fabrikgebäude im Kopenhagener Kiez Vesterbro, einem ehemaligen Rotlichtviertel, das während der letzten Jahre zum Szenestadtteil avancierte. Es sieht nicht unbedingt aus wie in einem Modeatelier. Eine Kreissäge steht plakativ zwischen Nähmaschinen und Computern, ringsherum liegen Sägespäne. Ein riesiges hölzernes Boot ist aufgebockt – die Kulisse für Vibskovs letzte Modeschau.

Der schlaksige Designer hat Ringe unter den Augen. Die letzte Nacht habe er damit verbracht, einen Drummer für seine Band Trentemøller einzuweisen, erzählt Vibskov. Normalerweise spielt er in der Progressive Rock Band selbst Schlagzeug, aber während der Australientour im Januar muss er auf die Mens Fashion Week nach Paris und braucht nun Ersatz.

Vibskov ist bekannt für seine Umtriebigkeit: Er ist nicht nur Modeschöpfer und Musiker, sondern auch bildender Künstler. Das New Yorker MoMa zeigte einige seiner Readymades, eine Reihe von Wischmobs; im Pariser Palais de Tokyo stellte er gigantische Hundeskulpturen aus.

Seine letzte große Modeinszenierung fand im vergangenen Sommer auf einem Steg im Kopenhagener Ørstedspark statt – das Last Pier Pandemonium. Die Models gingen um ein Boot herum, das an die Arche Noah erinnerte, trugen Gürtel mit Utensilien zur Lebensrettung wie Trillerpfeifen und Haken.

"Ich wollte, dass die Models so aussehen, als hätten sie eine traumatische Situation hinter sich. Deswegen hab ich ihnen Schwimmbrillen aufgesetzt und die Ohren verbunden", erklärt Vibskov zwischen Zigaretten und Kaffee. "Ich wollte das Gefühl ausdrücken, dass irgendetwas zu Ende gegangen ist. Das hat natürlich etwas Düsteres, ist aber vielmehr eine völlig offene Situation, in der alles möglich ist."

Seine Mode versteht der Designer als Teil eines Gesamtkunstwerks. Die einzelnen Entwürfe stehen bei ihm immer in komplexen konzeptuellen Zusammenhängen. Für seine Herbst/Winter-Kollektion 2008 gründete er etwa ein fiktives Mint Institute, das sich mit der Wirkung und Bedeutung von Minzfarben, Minzmusik und Minzgerüchen beschäftigte. Minzgrün war natürlich auch die dominante Farbe der Entwürfe.