Der französische Modedesigner Julien Fournié

Es herrscht Umbruchstimmung in der Mode. Der tragische Todesfall von Alexander McQueen vor zwei Jahren brachte Unruhe in festgefahrene Muster.
Nun ist auch noch John Gallianos Posten bei Christian Dior zu haben. Der Weg scheint frei für eine neue Generation – findet auch der französische Nachwuchsdesigner Julien Fournié.


ZEIT ONLINE: Ist jetzt die Zeit für eine neue Generation an Modedesignern gekommen?

Julien Fournié: Ja, im Moment stecken wir in einer Art Umbruch. In der Haute Couture ist das am besten zu erkennen. Alexandre Vauthier , Maxime Simoens und ich sind letzte Saison in den offiziellen Kalender der Haute Couture aufgenommen worden, dabei machen Vauthier und Simoens eigentlich Prêt-à-Porter. Junge Designer werden von der Fédération im Moment sehr unterstützt, aber man erwartet von ihnen auch, dass sie Kollektionen zeigen, die sich verkaufen lassen.

ZEIT ONLINE: Warum reagiert die Prêt-a-Porter noch nicht auf diese Veränderungen?

Fournié: Es gibt auch hier ständig Nachwuchs, wie zum Beispiel Arzu Kaprol, die bei der letzten Fashion Week in Paris zum ersten Mal gezeigt hat. Aber es ist schwerer als in der Haute Couture, da man mit den ganz Großen wie Yves Saint Laurent oder Louis Vuitton konkurrieren muss. Außerdem ist die Branche nach wie vor noch ängstlich, auch wegen der Krise. Es wird immer noch auf große Namen gesetzt, weil das Vertrauen schafft. Oder man macht medienwirksame Shows wie Thierry Mugler und stellt Lady Gaga aufs Podium . Modisch hat uns das allerdings nicht besonders weitergebracht, sehr tragbar sind die Stücke nicht.

ZEIT ONLINE: Was sind die Alternativen? 

Fournié: Designer wie Christophe Lemaire, der für Hermès arbeitet. Er arbeitet mit Codes im Stil von Anne Marie Beretta, was perfekt zum Erbe des Hauses passt. Allerdings zeigt das für mich auch kein zeitgenössisches Bild der Frau. Jemand wie Jean Paul Gaultier war vermutlich für ein Unternehmen wie Hermès zu kreativ und hat nicht so richtig zu den Codes des Hauses gepasst. Jetzt haben sie jemanden gefunden, der angepasster und durch Lacoste in den USA bekannter ist. Dadurch können sie einen anderen Markt gewinnen. Es ist gerade eine spannende Zeit für die Mode, aber wenn sich wirklich etwas ändern soll, müssten die Firmen bereit sein, mehr Risiken einzugehen. Im Moment ist noch alles offen.

ZEIT ONLINE: Viele Namen werden als mögliche Galliano-Nachfolger gehandelt: Riccardo Tisci, Haider Ackermann, Alber Elbaz , Hedi Slimane . Wie schätzen Sie die Lage ein?

Fournié: Die Tatsache, dass der Name des Nachfolgers noch nicht bekannt ist, bedeutet, dass bei Dior immer noch getrauert wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich nach so vielen Jahren leicht von jemandem wie John Galliano trennt.

ZEIT ONLINE: Sie haben Galliano zu Beginn Ihrer eigenen Karriere kennengelernt.