ZEIT ONLINE: Frau Christiaens, Sie haben mit erst 25 Jahren in diesem Jahr Ihre erste Frauenkollektion präsentiert und wagen sich nun auch gleich an Männermode. Warum haben Sie sich dafür entschieden?

Steffie Christiaens: Im Moment habe ich ehrlich gesagt kaum Zeit zum Nachdenken. Alles geht so wahnsinnig schnell. Ich habe mein Label erst im letzten Jahr gegründet und mich am Anfang eher auf Frauen konzentriert. Aber als wir dann darüber sprachen, wie die Marke einmal aussehen soll, kamen wir auf Männer. Auf einmal hatte ich so viele Ideen, die ich gerne umsetzen wollte.

ZEIT ONLINE: Weibliche Designer sieht man eher selten in der Männermode. Woran liegt das?


Christiaens: Für mich war die Hemmschwelle am Anfang vor allem der männliche Körper. Da ich keine Skizzen mache, sondern sofort dreidimensional an Puppen arbeite, musste ich mich erst mal an die neuen Maße gewöhnen. Das Komplizierteste ist allerdings die psychologische Seite. Männer denken anders und haben daher auch ganz andere Erwartungen an Kleidung als Frauen.

ZEIT ONLINE: Welche denn?

Christiaens: Ich glaube, man muss mehr auf die kleinen Details achten. Männer lieben Gadgets, auch in der Mode. Sie finden es toll, wenn Dinge innovativ sind und man mit ihnen etwas anfangen kann. Das habe ich in meiner Kollektion umgesetzt. Die Ursprungsidee war 'Männer auf einer verlassenen Insel'. Ich habe mir vorgestellt, wie sie dort überleben, indem sie ihre eigenen Werkzeuge erfinden. Ich glaube Männer haben immer das Bedürfnis, etwas zu bauen. Für mich sind sie alle ein bisschen wie McGyver. (lacht)

ZEIT ONLINE: Was können Männer denn mit Ihren Kleidungsstücken anfangen?

Christiaens: Wir haben zum Beispiel Hemden entwickelt, deren Kragen durch Magnete befestigt sind. Dadurch kann man sie ganz leicht an- und ablegen. Fast jedes Stück in meiner Kollektion kann man irgendwie verändern, andersherum tragen, variieren.

ZEIT ONLINE: Basieren Ihre Kollektionen immer auf einem Konzept?

Christiaens: Ja. Für mich ist das der wichtigste Part. Ich lasse mich nicht gerne von Dingen inspirieren, die schon existieren. Referenzen aus der Geschichte interessieren mich nicht, ich denke mir gerne neue Bilder aus. Bei meiner letzten Frauenkollektion ging es zum Beispiel um Zufall. Ich habe Kleidungsstücke entwickelt, die sich unter Hitze verändern, dadurch sind völlig neue Formen entstanden.