Modedesigner Hien Le

Ein kostspieliger Anspruch, weshalb der Gewinn des mit 10.000 Euro dotierten 3. Preises des Wettbewerbs Start your own fashion business während der Fashion Week zur richtigen Zeit kam. Zwar lugt der überdimensionierte Scheck noch hinter Schnittmustern und technischen Zeichnungen hervor, aber "das Geld ist schon wieder verprasst. Es ging gleich in Produktion und Stoffe."

Le lacht und beobachtet wie seine Praktikantin Pina mit einer schweren Schere durch weißen Stoff fährt, der so dünn ist, das die Struktur des Tisches hindurch scheint. Geht es um Geschäftliches, ist Le Pragmatiker und betont, dass es nicht seine Intention sei, etwas Neues zu erfinden – "ich will meine Kleidung an den Mann bringen."

Nach einer Frauenschneiderlehre, einem Modedesign-Studium an der Hochschule für Technik und Wirtschaft und einem Praktikum bei der belgischen Designerin Veronique Branquinho arbeitete Le deshalb zwei Jahre im Vertrieb einer Berliner PR-Agentur, um eben dies zu lernen: zu vermarkten und zu verkaufen.

Diese Entwürfe zeigte Le im Juli auf der Fashion Week. © Mercedes Benz Fashion Week Berlin

Mittlerweile ist seine Kollektion in Berlin, Hamburg, der Schweiz, Frankreich und mehreren Online-Shops erhältlich. Eine graue Bluse mit halbverdeckter Knopfleiste aus seiner ersten Winterkollektion ist bereits zum Klassiker avanciert. "Tragbarkeit ist mir sehr wichtig", sagt Le. "Was zum Beispiel Iris van Herpen auf der Fashion Week gezeigt hat, ist beeindruckend, aber es ist doch mehr Kunst als Kleidung. Ich sehe mich eher als Handwerker denn als Künstler. Für mich ist es nicht sinnvoll, jede Saison etwas komplett Neues zu machen."

Der Wiedererkennnungswert ist für Le ein wichtiger Aspekt seines kreativen Schaffens. Mit jedem Kollektionsteil möchte er seine Handschrift weiter ausformulieren und dennoch Kleidung machen, die es zu entdecken gilt. Bekleidungsklassiker wie Blousons oder Oberhemden unterzieht er nur minimalen Veränderungen und spickt sie mit subtilen Details wie Perlmuttknöpfen oder versetzten Ösen im Nacken, die beim Gehen durch einen schmalen Schlitz einen Hauch von Rücken zeigen.

Les Mode überfällt weder Betrachter noch Träger. Sie bringt den zeitgenössischen Wunsch nach hochwertig produzierter Bekleidung einfach auf den Punkt. Überraschenderweise ganz ohne die Farbe Schwarz, denn wenn es um Farben geht, vergisst Le jeden Pragmatismus: "Jeder weiß, dass Schwarz sich am besten verkauft, aber ich kann mit Schwarz nicht arbeiten. In meinen Händen fühlt es sich unglaublich schwer an."