Mode - Der Designer Hien Le in seinem Atelier in Berlin-Kreuzberg

Hien Les Atelier sieht aus wie ein WG-Zimmer. Die unverputzten Wände sind voll gestellt, es riecht nach Pfefferminztee. Der Designer steht in blaugrauem Baumwoll-Shirt an seinem Schnitttisch, der bereits ein Viertel des rund 20qm großen Raums einnimmt, und koordiniert die Auslieferung seiner Herbst-/Winterkollektion: "Es ist verrückt. Man muss immer drei Kollektionen im Kopf haben. Kaum habe ich die neue Sommerkollektion gezeigt, muss die Winterkollektion ausgeliefert werden und im September fahre ich schon wieder auf Stoffmessen für die nächste Wintersaison."

Im Mai 2010 hat sich der 31-jährige Berliner mit laotischen Wurzeln mit seinem eigenen Modelabel selbstständig gemacht, im Juli debütierte er auf der Berliner Fashion Week als einer von drei Jungdesignern, denen der Senat die erste Show finanzierte. Les reduzierter Stil wurde unter dem Stichwort der "neuen Berliner Sauberkeit" mit Perret Schaad und Michael Sontag verglichen – seine Show endete mit tosendem Applaus.

Zu Dreams von Fleetwood Mac und The Look von Metronomy verband der Designer seine Entwürfe für Männer und Frauen zu einem sanften Fluss von Farben und Formen. Die geradlinige Schnittführung wirkte durch transparente Seide und weich fallende Baumwolle federleicht; leuchtendes, Rot, Gelb und Blau setzten kräftige Akzente in der sonst schlichten Kollektion und erinnerten an die Farbtheorie Wassily Kandinskys.

Diese Entwürfe zeigte Le im Juli auf der Fashion Week. © Mercedes Benz Fashion Week Berlin

An der Inspirationswand hinter seinem schmalen Schreibtisch hängen neben Stoffproben und Farbfotos auch Schwarz-Weiß-Bilder seiner Familie auf Laos aus den Siebzigern – seine Onkel, die in schmalen Bundfaltenhosen stolz aufgereiht stehen, das Hochzeitsfoto seiner Eltern, auf dem seine Mutter unter ihrem hochgeschlitzten Hochzeitskleid eine weite Hose trägt, die Le aufs Wesentliche reduziert, in gelber Seide für seine Sommerkollektion wiederbelebt hat.

Der funktionale Minimalismus asiatischer Alltagskleidung scheint Les Mode schon vorher unbewusst beeinflusst zu haben, auch wenn das klischeehafte Abziehbild fernöstlicher Mode bei ihm zunächst Abwehrreflexe hervorrief: "Mir wurde andauernd gesagt, meine Kollektion sähe asiatisch aus. Ich fand das grausam, weil ich sofort an traditionelle Trachten gedacht habe. Daraufhin habe ich geschaut, was meine Eltern damals getragen haben und mir Asien zum Thema gemacht."

Für seine Produktion allerdings kehrt Le Asien bewusst den Rücken. Er lässt seine Kollektionen ausschließlich in Berlin und mit europäischen Stoffen herstellen. Dabei spielen für ihn gewisse ökologische Standards und lokale Produktionsstätten auch eine Rolle, weil sie die Qualität der Ware gewährleisten. "Hien Le ist eine deutsche Marke und deshalb soll auch "Made in Germany" auf dem Schild stehen."