Am Ende der Schau von Burberry Prorsum regnete es Geld. Dicke, goldene Papiertaler, und es wirkte tragisch-komisch, dass der symbolische Goldschauer zeitlich perfekt zusammenfiel mit dem Skandal um den jungen Londoner Aktienhändler, der seiner Bank UBS gerade einen Schaden in Milliardenhöhe eingehandelt hatte.

Doch von Rezession und Kürzungen wollte bei den Frühjahr-/Sommerschauen 2012 niemand etwas wissen. Krise? Welche Krise? Stattdessen wurde deutlich, wie angestrengt London an seiner Position als ernst zu nehmender Standort neben Paris, Mailand und Co. arbeitet. Selbst die Politik und das Königshaus sind involviert: Als klar wurde, dass das Haus McQueen das Hochzeitskleid von Kate Middleton entwerfen würde, kam das einer Staatsaufgabe gleich.

Derzeit wird dem symbolisch aufgeladenen Stück Stoff sogar eine eigene Ausstellung gewidmet, wie sonst kostbaren Fabergé-Eiern oder dem Tutanchamun. "Es ist fantastisch, zu sehen, was für einen Einfluss diese Industrie auf unsere Wirtschaft hat", sagt Samantha Cameron, Gattin des Premiers David Cameron, die bei gleich mehreren Schauen in der ersten Reihe saß. Cameron ist Botschafterin des britischen Fashion Councils, und die Wahl ihrer Garderobe wird von der Londoner Modepresse strenger beäugt als der Bau des Olympiastadions.

Wanderten international erfolgreiche Designer wie Stella McCartney oder Sophia Kokosalaki bereits vor Jahren nach Paris ab, sorgen in London inzwischen nicht minder illustre Namen für den lang ersehnten Glamour.

Das schwedische Label Acne, die verstofflichte Form von Coolness, zeigte im vergangenen Jahr erstmals auf einem Londoner Laufsteg und gehört neben Tom Ford und seiner Damenkollektion zu den begehrtesten Neuzugängen im Kalender der Fashion Week. "Allerdings war es schier unmöglich, eine Einladung für Tom Ford zu bekommen", sagt Sasha Wilkins, während sie simultan auf ihrem Smartphone tippt. Die Britin ist Bloggerin und ihren Tausenden von Fans eher als Liberty London Girl bekannt. Dann entschuldigt sie sich und bringt ihr Telefon in Position, denn vorne auf dem Laufsteg hat die Schau von House of Holland begonnen.

Londoner Modewoche - Mulberry auf der Fashion Week

Nicht nur bei Designer Henry Holland, jahrelang das grellbunte Society-Maskottchen der Londoner Mode, hat man das Gefühl, dass sich die Kollektionen mit reichlich Pastell so weit von der bösen Realität wegzuträumen versuchten wie möglich. Während Holland seine Inspirationen changieren ließ zwischen Punk-Romantik, Tropical Deco und Miami Beach, hatten Peter Pilottos organisch gemusterte Kreationen Indonesien im Sinn.

Der ehemals so raue Londoner Punk ist edel geworden: Feine Netzkleider werden von schimmernden Reptilgürteln mit Goldschnalle in Form gehalten, Reißverschlüsse sitzen dermaßen akkurat auf Bleistiftröcken, dass man sie als Subkulturzitate kaum noch erkennen kann. Londons junge Stars, von Henry Holland über Christopher Kane bis Richard Nicoll, wollen erwachsen werden und das ermüdende Klischee von Londons Mode, zu schrill und mit zu heißer Nadel genäht zu sein, dringend hinter sich lassen.

Und die Alten? Die sind auf der Suche nach der zwanzigjährigen Kundin mit dem Bankkonto einer Vierzigjährigen. Bei der Schau von Mulberry, deren Gäste von Hunderten grauenvoll süßen Tierballons empfangen wurden, trugen die Models goldig schimmernde Luxusversionen sportlicher Hot Pants zu Kapuzenjacken.