Bio-Siegel

Ein eher sperriges Thema sind die Zertifikate und Gütesiegel für faire Mode. Denn es sind viele, sie sind nicht unbedingt bekannt und werden nicht einheitlich genutzt. Gisela Burckhardt, die Vorstandsvorsitzende von Femnet e.V., setzt sich für die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte von Frauen ein und engagiert sich seit Langem für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Modeindustrie. Sie schlägt eine Konzentration auf drei Siegel vor:

Das Produktsiegel: Das Fair Trade Siegel bezeichnet Baumwolle, die zu fairen Preisen gehandelt wird und so menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen der Kleinbauern und Arbeiter unterstützt.

Das Unternehmenssiegel: Das Siegel der Fairwear Foundation verpflichtet seine Mitglieder, für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Produktion zu sorgen und prüft dieses Ziel kontinuierlich.

Das ökologische Siegel: Das GOTS-Siegel (Global Organic Textile Standard) wird vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft vergeben für Kleidung, die zu mindestens 70 bis 90 Prozent Biofasern enthält. Daneben gibt es das Siegel mit dem Namen Naturtextil IVN zertifiziert BEST, das in seinen Ansprüchen höher ist als das GOTS-Siegel.

Kleinstproduzenten

Neben der wachsenden Zahl der großen Unternehmen, die faire Mode anbieten, gibt es auch kleine Produzenten, die auf faire Produktion und fairen Handel achten. Bekannt geworden ist dieses Prinzip durch die New Yorker Internetplattform Etsy, auf der man seit 2005 Handgemachtes zum Verkauf anbieten kann. In Deutschland etablierte sich seit 2006 Dawanda. Jetzt lädt das Hamburger Lokal e.V. Konsum Kulturhaus einmal im Monat zum sogenannten Etsy-Lab ein und bittet Do-it-Yourself-Produzenten und Künstler zur gemeinsamen Kleinstproduktion an die Werkbank.

Abseits der Internet-Portale gründete ein Berliner Designerquartett vor drei Jahren ein Upcycling Projekt: Aus alten Stoffen sollen höherwertige Kleider entstehen. Basierend auf dieser Produktion ist inzwischen das Label Aluc erwachsen. Hier gibt es eine Frauen- und Männerkollektion aus Hemden, Blusen und Hemdkleidern in limitierter Stückzahl. Das Material stammt aus Produktionsresten und Farbproben einer österreichischen Weberei, die recycelten Knöpfe aus einem Knopfprojekt. Ihre Mode findet man in ausgewählten Läden deutschlandweit und auch im Upcycling Fashion Store in Berlin. In Österreich fertigen die Gebrüder Stitch maßgeschneiderte Jeans aus Biobaumwolle – Passform, Material, Farbe und Waschung kann der Kunde selbst bestimmen.

Marcus Priester schließlich, der während seines Modestudiums als Praktikant bei dem Designer Kostas Murkudis arbeitete und nach seinem Diplom bei dem britischen Designer John Richmond, bietet Herrenhosen in unterschiedlichen Stoffen und Schnitten aus organischer Baumwolle. Die gängigen Siegel darf er zwar nicht vergeben, aber er gibt gern Auskunft zur die Herkunft der Stoffe. Über die faire Produktion seines Labels Indnat wacht er in seiner Ein-Mann-Werkstatt.

Der Artikel wurde am 12. Juni 2013 nachträglich geändert. Der Hersteller Manomama ging nicht aus einer Kooperation mit Bioland hervor, sondern fertigt nach deren Richtlinien.