Wer einmal in einer Filiale von Urban Outfitters miterleben durfte, wie  Anfang 20-Jährige in Lurex-Fototapeten-Leggins und überm Bauch geknoteten Batikhemd von der awesomeness Berlins schwärmen, wundert sich über gar nichts mehr. Dieser Laden ist Marktführer im Hipstertrash. Hier gibt es überteuerten Weißblechschmuck, voll vegane Nylonpullis in voll blockierenden Neonfarben und Baumwollsneaker aus Kambodscha, die schon im ersten Sommerregen 'nen Schuh machen.

Der städtische Ausstatter erregt gerade wieder Aufsehen, aber nicht etwa mit seinem beeindruckenden Mut zur Hässlich- und Vergänglichkeit, sondern zur Parole. Sie manifestiert sich auf einem bauchfreien, wortreichen Damenhemd im amerikanischen Angebot: Ein "super deprimierendes T-Shirt von Depression mit einer ganzflächigen Logografik" für 9,99 statt 59,99 US-Dollar. Depression, Depression, Depression, Depression, Schwarz auf Weiß, kurz und knapp. Bereits vor drei Jahren verkaufte Urban Outfitters ein schmales Leibchen mit dem Aufdruck "Eat Less".

Wie zu erwarten war, laufen auch jetzt die Betroffenenverbände und FürsprecherInnen vieler gesellschaftlichen Randgruppen Sturm: Eine Krankheit sei kein Fashion Statement. Moralisch gesehen ist das natürlich korrekt, aber im irren Kontext von Mode und Alltagsstilisierung ein recht schwaches Argument.

Schon im Credo der Herstellerfirma Depression steckt des Pudels Kern: "Weil ein konventionelles Leben deprimierend ist." Fragen Sie einen wahren Metal-Fan und er zeigt Ihnen dankbar die Horden kettenbehemdeter Leichen, die über seine Brust und sein T-Shirt reiten. Fragwürdige Nekrophilie oder nur ein törichter Spaß auf Kosten der Angepasstheit?  

Das Depression-Hemd ist aus einem ähnlichen Garn gestrickt. Wobei tatsächlich nicht ganz eindeutig ist, ob die offensichtliche Verweigerung des Frohsinns eher einer antineoliberalen Haltung entspricht oder vielmehr als doppelte Ironie systemtreu motivierend gemeint ist. Ja, es bleibt kompliziert mit den Symbolen des Alltags.

Eines lässt sich aber sicherlich feststellen. Auch dieses fragwürdige T-Shirt ist lediglich die konsequente Fortführung der prominentesten Hipsterlogik: die Transformation des Randständigen zum Konsumgut. Schlechter Geschmack is so next season, Baby!

Im Fall von Urban Outfitters hat sich der modische Fortschritt allerdings am konventionellen Leben verschluckt: Aufgrund des wirklich deprimierenden Drucks wurde der Artikel eilig aus dem Katalog entfernt.