ZEIT ONLINE
: Wie schafft man es, in seiner Beziehung zu wachsen?

Schnarch : Indem man sich unabhängig vom Urteil des Partners macht. Um dieses emotionale Gleichgewicht zu erreichen, gilt es, vier zentrale Fähigkeiten zu stärken. Ich nenne sie die vier Aspekte der Balance. Statt sich den Vorstellungen des Partners anzupassen, sollte man auf eigenen Beinen stehen und sich darüber klar werden, wer man ist und welche Ziele einem wichtig sind. Außerdem sollte man an der Fähigkeit arbeiten, sich selbst zu beruhigen und die eigenen Ängste zu überwinden. Wer im Streit beispielsweise unbedingt zuerst die Entschuldigung des Partners braucht, um Frieden schließen zu können, hat Defizite bei der emotionalen Selbstregulierung. Der dritte Aspekt: nicht übertrieben reagieren oder davonlaufen. Und zuletzt geht es um die Bereitschaft sich – auch wenn es frustrierend ist – mit Problemen auseinanderzusetzen und das Unbehagen, das die Weiterentwicklung auslöst, zu ertragen.

ZEIT ONLINE : Und wie wird davon der Sex besser?

Schnarch : Indem man sich aus der Abhängigkeit befreit, nur die Dinge anzusprechen, die der Partner akzeptiert oder hören will.

ZEIT ONLINE : Aber was macht man, wenn der Partner nicht reden will?

Schnarch : Davon kann man ausgehen. Aber wer in einer festen Beziehung lebt, muss lernen, für seine eigenen Wünsche geradezustehen.

ZEIT ONLINE : Das hört sich nach viel Arbeit an.

Schnarch : Aber wer bereit ist, zu wachsen, wird Sex haben, wie er ihn vorher nicht kannte. Intimer, erfüllender. Ein Partner macht das Leben nicht leichter. Wenn man Glück hat, versüßt ein Partner die Anforderungen des Lebens, aber er lässt sie nicht weniger werden. Menschen suchen ja gerne nach einem einfachen Weg. Aber wenn sie erkennen, dass es einen guten Grund dafür gibt, warum etwas schwierig ist – dann wird es leichter.