ZEIT ONLINE: Herr Hefner , Sie haben sich in den fünfziger und sechziger Jahren nicht nur für die Aufhebung der Rassentrennung, sondern auch für die Legalisierung von Abtreibungen und von Verhütungsmitteln eingesetzt. Der aktuelle Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Mitt Romney , vertritt eine restriktive Haltung, wenn es um Methoden der Familienplanung geht. Was halten Sie von seiner Politik?

Hugh Hefner:Mitt Romney und andere Konservative haben der Sexualität den Krieg erklärt . Ich habe dazu im Mai ein Editorial im amerikanischen Playboy veröffentlicht, weil ich es für einen Skandal halte, dass diese Politiker die Zeit zurückdrehen wollen. Unser Land würde Freiheiten verlieren, die wir uns in den Bürgerbewegungen vor Jahrzehnten erkämpft haben.

ZEIT ONLINE: Ein anderes Thema im US-Wahlkampf ist die Homosexuellen-Ehe. Wie stehen Sie dazu?

Hefner: Es muss jedem freistehen, den Menschen zu heiraten, den er liebt. Wenn dieses Recht einer bestimmten Gruppe verwehrt wird, betrifft das uns alle. Der Staat soll sich endgültig aus den Schlafzimmern der Bürger zurückziehen. Er hat dort nichts verloren. Weder in den Schlafzimmern von Homosexuellen, noch in denen von unverheirateten Paaren.

ZEIT ONLINE:  Die vor Kurzem in Deutschland veröffentlichte Filmdokumentation Hugh Hefner – Playboy, Aktivist und Rebell zeigt Sie in einer ungewohnten Rolle – als engagierter Kämpfer für die Bürgerrechte. Wie kam es zu diesem Engagement?

Hugh Hefner: 1948 kam der erste Kinsey-Report heraus, eine Studie, die die damals noch weit verbreiteten, konservativen Ansichten über Sexualität in Frage stellte. Ich studierte zu dieser Zeit Psychologie und schrieb eine wissenschaftliche Arbeit zu dem Thema, in der ich die Ergebnisse des Kinsey-Reports mit der Gesetzgebung in den USA verglich.

ZEIT ONLINE: Damals waren von außerehelichem Sex bis zum Oralverkehr viele Praktiken verboten.

Hefner: In meiner Arbeit habe ich dargelegt, dass ein Großteil der Amerikaner im Gefängnis säße, wenn die bestehenden Gesetze konsequent angewendet werden würden. Ich fragte mich: Welchen Sinn haben solche Gesetze? So begann mein Kampf gegen die sexuelle Unterdrückung – übrigens lange vor der Gründung des Playboy .

ZEIT ONLINE: Welches bestehende Gesetz würden Sie heute am liebsten ändern?

Hefner: Ich bin nicht über jedes einzelne Gesetz exakt auf dem Laufenden. Aber ich halte die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe derzeit für das wichtigste Thema. Die Konservativen sind doch so vehement gegen die Legalisierung, weil sie Sex für etwas halten, das ausschließlich dem Zweck der Fortpflanzung dienen sollte. Alles andere ist für sie widernatürlich. Deshalb sind sie gegen schwulen Sex, gegen Analsex, gegen Oralsex – sogar bei Ehepaaren. Aber Sex ist nicht nur eine Fortpflanzungsmethode. Sex ist auch Vergnügen.

ZEIT ONLINE: Die erste Ausgabe des Playboy erschien 1953, den Titel zierte die nackte Marilyn Monroe . In welchem Jahrzehnt glauben Sie, waren die Frauen mit ihren Körpern am meisten zufrieden?

Hefner: In den 1970er Jahren. Die sexuelle Revolution, die in den späten Sechzigern begann und in den Siebzigern volle Fahrt aufnahm, nutzte beiden Geschlechtern, doch ich glaube, die Frauen haben deutlich mehr davon profitiert. Leider kam es in den Achtzigern zu einer Gegenbewegung und die Gesellschaft wurde wieder prüder.

ZEIT ONLINE: Anfangs haben Sie das Magazin noch mit "Mädchen von nebenan" verkauft. Heute zeigen Sie Bilder von retuschierten Playmates mit Silikonbrüsten. Deren Körper haben mit normalen Frauen wenig zu tun.

Hefner: Ich glaube, was Photoshop im Playboy angeht, herrscht eine falsche Wahrnehmung. Wir bearbeiten die Bilder für die US-Ausgabe nur sehr wenig – viel weniger zum Beispiel als Modemagazine oder Frauenzeitschriften es tun. 

ZEIT ONLINE: Sie sind 86 Jahre alt und nehmen bis heute jede Ausgabe des amerikanischen Playboy persönlich ab. Auch in Brigitte Bermans Dokumentarfilm sieht man Sie ständig bei der Arbeit. Muss ein echter Mann ein Workaholic sein?

Hefner: Ich war vor 50 Jahren ein Workaholic, als ich mein Imperium aufbaute. Heute arbeite ich deutlich weniger, achte mehr auf ein Gleichgewicht von Arbeit und Freizeit. Ich schlafe bis mittags, am Nachmittag arbeite ich und abends amüsiere ich mich. Zum Glück habe ich ja meine Assistentin, die vieles für mich erledigt.

ZEIT ONLINE: Mary O’Connor, ihre zwei Jahre jüngere Assistentin, arbeitet seit über 40 Jahren für Sie. Ist sie eine der seltenen platonischen Beziehungen in Ihrem Leben?

Hefner: Ohne Mary wäre ich verloren. Sie organisiert meinen Alltag und ist der Beweis dafür, dass platonische Beziehungen zwischen Mann und Frau durchaus funktionieren können. Nichtplatonische zum Glück jedoch auch.

ZEIT ONLINE: Haben Sie jemals berufliche Ratschläge von einer Frau angenommen?

Hefner: Natürlich. Ich höre schon zu, wenn mir jemand etwas sagt – aber am Ende entscheide ich selbst.

ZEIT ONLINE: Was war der beste Ratschlag, den Sie jemals von einer Frau bekommen haben?

Hefner: "Lass uns ins Bett gehen." (lacht)