Soweit die Theorie. In der Praxis stellte sich sehr schnell heraus, dass es nicht immer sinnvoll ist, alles streng nach der 50-Prozent-Regel zu teilen.

Da ist zum Beispiel die Sache mit dem Schlaf. Schlaf ist die wichtigste Währung im Leben neuer Eltern. Denn ausgeschlafen sein heißt nun nicht mehr nur nicht müde sein, nein, es bedeutet stärkere Nerven, bessere Laune, mehr Konzentration und letztendlich, das tägliche Babygeschrei gleichmütiger zu überstehen. Wenn das Neugeborene nicht in die Kategorie Durchschlafwunder gehört, sind die nächtlichen Störungen häufig, der Magen des Säuglings fasst eine walnussgroße Menge, die nur zwei bis drei Stunden vorhält, danach hat es HUNGER.

Unser Verteilungsmodell verläuft hier nach dem Prinzip Busen-Mensch und Schaukel-Mensch. Der Busen-Mensch, also ich, ist verantwortlich für das Stillen, der Schaukel-Mensch für das In-den-Schlaf-wiegen. Ich bin zwar häufiger nachts wach, kann aber auch schneller wieder einschlafen. Mein Freund hat als Schaukel-Mensch manchmal den härteren Job. Stillen bringt nämlich nicht automatisch Stille mit sich, sondern manchmal eben auch Säuglingskolik oder Magengrimmen. Wenn er eine lange Nacht mit dem Baby hatte, kümmere ich mich morgens erst mal alleine um den Kleinen, damit mein Freund ausschlafen kann – und andersherum.

Unser 50/50-Prinzip bedeutet also nicht, immer genau dasselbe zu machen. Wenn die Biologie ungleiche Arbeitsverteilung erfordert, müssen wir eben einen Ausgleich schaffen.