Ganz so problemlos blieb die Ernährungsteilung allerdings nicht. Auch ein ganz kleines Baby hat seine eigene Agenda und lässt sich nicht einfach verplanen. Kurz bevor ich nach drei Monaten Mutterpause in meinen Job zurückkehren wollte, verweigerte unser Sohn das Fläschchen. Ich bekam ein schlechtes Gewissen. Ob das ein Zeichen war? Ob der Kleine wusste, dass ich von nun an nur 19 von 24 Stunden für ihn da sein würde?  

Natürlich musste – und wollte – ich trotzdem wieder arbeiten. Wir beschlossen also, dass mein Freund mir unseren Sohn einmal am Tag ins Büro bringt, damit ich ihn dort stillen kann. Bisher funktioniert das ganz gut, weil wir zeitversetzt arbeiten. Ich bin vier Stunden im Büro, er arbeitet die restliche Zeit des Tages zu Hause oder in einem nahe gelegenen Café. Nachteil dieser Konstruktion: Mein Freund hat regelmäßig mit Wind, Wetter, fiesester Erkältung und einem manchmal schlechtgelaunten Baby zu kämpfen.

Manchmal stürze ich mich auch ins Taxi und eile nach Hause zu Vater und Sohn

Die Vorteile überwiegen: Nach wenigen Monaten können wir beide wieder arbeiten, und unser Sohn hat sich an uns beide gleichermaßen gewöhnt und ist nicht ausschließlich auf mich angewiesen.

Manchmal wünscht sich mein Freund zwar, er könne unseren Sohn selbst stillen. Denn es gibt auch Momente, in denen sich der Kleine so in Rage schreit, dass ihn nur die Brust beruhigen kann. Dann stürze ich mich in ein Taxi und eile nach Hause zu Vater und Sohn. Zum Glück passiert das nur selten.

Bis unser Sohn feste Nahrung essen kann, müssen wir noch ein bisschen durchhalten. Gerade fangen wir an, mittags Gemüsebrei zu füttern. Im Tiefkühlfach lagern derweil sterile Plastikbeutel mit portionsgerecht abgefüllter Muttermilch. Vielleicht kann man daraus später mal Pudding kochen.