Eheleute! Ihr könnt zufrieden sein: 2012 war ein gutes Jahr für euch und eure Institution. Die Zahl der Scheidungen ist im Vergleich zu 2011 um 4,5 Prozent gesunken. Von wegen Unbeständigkeit, serielle Monogamie, gar Polyamorie. Gleichzeitig haben im vergangenen Jahr 2,5 Prozent mehr Menschen geheiratet als im Jahr 2011. 

Das bedeutet nicht zwingend, dass auf Dauer weniger Ehen geschieden werden, aber ihr verheirateten Paare haltet es länger miteinander aus: Die Ehen, die 2012 geschieden wurden, dauerten im Durchschnitt genau 14 Jahre und sieben Monate. Anders als vor zwanzig Jahren scheint ihr Eheleute heute leidensfähiger zu sein: Damals waren es nur elf Jahre und sechs Monate.

Ist das nun die Rückkehr der konservativen Werte?  Die Überwindung der 68er? Die Sehnsucht nach Romantik? Viel einfacher: Der Fachkräftemangel hat die Beziehungen erreicht. Gutes Personal ist schwer zu finden, entweder längst vergeben oder ungelernt. Und wer endlich einen High Potential gefunden hat, muss höllisch aufpassen, dass nicht ein Headhunter vorbeigeritten kommt und ihm die Liebesfachkraft wieder abjagt. Es ist geradezu wahnsinnig, einen einmal ergatterten Mitarbeiter (Vollzeit! Unbefristet!!) wieder aufzugeben.

Also beißt ihr die Zähne zusammen und: arbeitet. An euch, euren Ansprüchen, Erwartungen, am Nachwuchs. 1,6 Prozent mehr Kinder als im Vorjahr wurden 2012 geboren. Als Ausbildungsbetrieb trägt man ja Verantwortung, da kann man nicht einfach den Laden dichtmachen. Außerdem hängen vom Ehebetrieb lange Zuliefererketten ab: Psychotherapeuten, Hersteller von Ohrstöpseln und Betreiber niedlicher Ferienwohnungen auf Juist.

Eure Stellenanzeigen auf den Datingwebsites verraten es schon lange: Wer nach dem Abteilungsleiter der Liebe sucht, muss sich ins Zeug legen, etwas bieten, sich anpreisen. Doch zum Glück könnt ihr auf langjähriges Know-how der Profis zurückgreifen: Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände weiß, was gegen den Fachkräftemangel zu tun ist.

Die Broschüre Handlungsempfehlungen zur Fachkräftesicherung in Deutschland rät: die Qualifizierung verbessern, die Kompetenzen älterer Mitarbeiter nutzen und die Arbeitsverteilung optimieren. Dadurch ließen sich ganz neue Personengruppen rekrutieren, der Mangel wäre behoben. Und niemand von euch wäre mehr gezwungen, so lange in ein und derselben Ehe auszuharren. Es sei denn, es handelte sich tatsächlich um einen Traumjob.