Das Buch

"Auf meinem Feuer aber kocht jetzt schon ein ziemlich großer Topf voll Sehnsucht, und Sie sind eine feine Zutat mittendrin." Jurek Becker war ein wunderbarer, mit großem Humor gesegneter Briefeschreiber. Von 1969 bis 1996 reicht diese Sammlung von Briefen, in denen sich das Werden eines Schriftstellers, seine politische Haltung zwischen den Systemen, seine Bekanntschaften und Freundschaften, wachsender Erfolg und die unablässige Schärfung seines ironischen Talents ablesen lassen. Die Briefpartner Jurek Beckers sind, abgesehen von den ihm Allernächsten, diejenigen, die ihm alle "sein" Verlag sind: Siegfried Unseld, Elisabeth Borchers und Burgel Zeeh. Er schreibt an Kollegen wie Max Frisch, Uwe Johnson, Günter Grass, Stephan Hermlin, Wolf Wondratschek, Bernhard Schlink und Stefan Heym, an Kritiker und Literaturwissenschaftler wie Marcel Reich-Ranicki, Fritz J. Raddatz, Heinz-Ludwig Arnold, Paul Michael Lützeler und Leslie Willson - aber auch an das Präsidium des Schriftstellerverbandes der DDR, die Polizei Delmenhorst sowie die Kundendienstabteilung eines Elektrogeräteherstellers. Jurek Beckers Briefe, herausgegeben von seiner Witwe und der Germanistin Joanna Obrusnik, sind phantastisch eigenwillige Dokumente eines Menschen, dem niemand und nichts gleichgültig und alles von Interesse war.

Der Autor

Jurek Becker wird am 30. September 1937 in Lodz/Polen geboren. 1939-1945 Becker wächst im Ghetto in Lodz auf und wird später in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen inhaftiert. 1945 Übersiedlung in den Ostteil von Berlin, Jurek Becker lernt Deutsch. 1955 Nach dem Abitur zweijähriger Militärdienst in der Nationalen Volksarmee der DDR. Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und 1957 auch der SED. 1957-1960 Studium der Philosophie an der Humboldt-Universität. 1960 wird Becker aus politischen Gründen vom Studium ausgeschlossen. 1960 Studium an der Filmhochschule Babelsberg. 1962-1977 lebte als freier Schriftsteller in Ost-Berlin, arbeitete als DEFA-Drehbuchautor, wo sein Drehbuch Jakob der Lügner zunächst abgelehnt wurde. 1969 Sein erster Roman Jakob der Lügner wird veröffentlicht. Der Roman wird weltbekannt. 1971 Charles-Veillon-Preis und Heinrich-Mann-Preis. 1972 Mitglied im PEN-Zentrum der DDR. 1973 Bremer Literaturpreis für seinen zweiten Roman Irreführung der Behörden. Wird in den Vorstand des Schriftstellerverbandes gewählt, trat jedoch 1977 aus Protest gegen die Partei aus. 1975 Verleihung des Nationalpreises der DDR. 1976 Der Roman Der Boxer wird veröffentlicht. Becker protestiert öffentlich gegen den Ausschluß Rainer Kunzes aus dem Schriftstellerverband der DDR und ist Mitinitiator des Protestbriefes gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Daraufhin wird er aus der SED und aus dem Vorstand des Schriftstellerverbandes ausgeschlossen, trat aus Protest gegen diesen Ausschluss 1977 aus dem Verband aus. 1977 Becker verläßt die DDR und lebt vorwiegend in Berlin. 1979 und 1982 Verfilmung der Bücher Der Boxer und Schlaflose Tage für das Fernsehen. 1983 itglied der Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt. 1986 Drehbücher für die ARD-Serie Liebling Kreuzberg. Verleihung des Adolf-Grimme-Preis in Gold an Manfred Krug, Jurek Becker und Heinz Schirk .Veröffentlichung des Romans Bronsteins Kinder. 1989 Poetikvorlesungen an der Universität Frankfurt/Main. 1990 Der Film Neuner, nach dem Drehbuch von Becker kommt in die Kinos und wird 1991 mit dem Deutschen Filmpreis "Filmband in Gold" ausgezeichnet. Mitglied der Akademie der Künste Berlin. 1992 Veröffentlichung des Romans Amanda herzlos. 1994 Die Fernsehsatire Wir sind auch nur ein Volk wird in der ARD gesendet. 1996 Veröffentlichung des Bandes Ende des Größenwahns, in dem Aufsätze und Vorträge aus den Jahren 1971 bis 1995 zusammengestellt sind. 1997 14. März: Jurek Becker stirbt in Sieseby / Schleswig-Holstein.

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