Das Buch

Terézia Mora erzählt in ihrem ersten, bilderreichen und sprachlich überwältigenden Roman die Geschichte eines Taumels, die Geschichte eines Mannes, der aus dem Südosten Europas in eine westliche Großstadt kam, der sich nirgendwo zugehörig fühlt und sich stets am falschen Ort aufhält. Abel Nema ist ein Sprachgenie, aber er schweigt soweit wie möglich. Er ist ein Fremder auf seinem aberwitzigen Trip am Rand unserer Gegenwart entlang und damit mitten durch ihr Herz hindurch. Am Anfang hängt in einem abgetakelten Bahnhofsviertel ein Mann kopfüber von einem Klettergerüst. Sein Name ist Abel Nema, und man sagt ihm nach, ein Genie zu sein. Doch was nützt das, wenn sich einmal ein Leben derart verändert hat, daß sich nichts und niemand mehr am richtigen Ort befindet - am allerwenigsten man selbst. Zuerst verschwindet der Vater spurlos, dann, nachdem Abel ihm seine Liebe erklärt hat, der Jugendfreund, und schließlich bricht in seinem Heimatland auch noch ein Bürgerkrieg aus - seitdem sitzt er im Westen fest. Immer wieder nimmt er Anlauf, Herr über sein Schicksal zu werden, versucht sich als Lehrer und als Landstreicher, und am Schluß sogar als Ehemann. Er wird, und nicht nur einmal, geliebt, dennoch: "Eines Tages ist der talentierte Mensch, der ich bin, einfach verzweifelt."

Terézia Moras erster Roman ist angelegt als ein Prosa-Labyrinth von seltener Sprachkraft und einem ausgesuchten Reichtum an Bildern, der in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seinesgleichen sucht. Sie erzählt den Höllentrip eines entwurzelten und wortlosen Mannes, für den es am Ende doch eine Erlösung geben wird.

Die Autorin

Terézia Mora wurde 1971 in Sopron, Ungarn, geboren. Sie lebt seit 1990 in Berlin, studierte Theaterwissenschaft und Hungarologie an der Berliner Humboldt Universität. Drehbuch-Diplom der Deutschen Film und Fernsehakademie. Sie arbeitet als Schriftstellerin und Übersetzerin aus dem Ungarischen. Zu ihren Arbeiten zählt unter anderem die Übersetzung von Péter Esterházys "Produktionsroman". Für ihre Erzählungen erhielt sie 1997 den Open-Mike-Literaturpreis, 1999 den Ingeborg-Bachmann-Preis und 2000 den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis. 1999 erschien der Erzählungsband Seltsame Materie. "Alle Tage" ist ihr erster Roman.

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