Endlich. Die Ferienzeit liegt in den letzten Zügen. Sie können Aufatmen, es ist überstanden. Keine kilometerlangen Wochenendstaus auf glühendem Asphalt mehr. Keine durchweichten Sandwiches neben braunen Bananen in der warmen Kühlbox. Keine mit Sand und Haaren verklebten Sonnenmilchflaschen mehr. Keine Übernachtungen im Intercity Hotel Frankfurt oder Zürich, weil man den Anschlussflug verpasst hat. Die Kinder dürfen endlich wieder in die Schule.

Geben Sie es zu: Sie sind gerne zu Hause. Merken Sie es nicht, jedes Jahr, wenn Sie zurückkommen und es daheim wieder schön finden? Wenn das Essen ohne Rücksicht auf den Magen-Darm-Trakt wieder schmeckt? Ein philosophisch veranlagter Physiker* hat einmal gesagt, dass alles Unglück der Erde daher rührt, dass wir nicht ruhig in unseren Zimmern verharren können. So ist es. Leider erlischt jeden Sommer erneut diese Erkenntnis des Vorjahres. Stattdessen kratzen alle ihr Geld zusammen und quetschen sich in Autos und Flugzeuge, Ziel egal. Hauptsache weg, sagen sie.

Dann kommen sie wieder und stellen fest: Es war ermüdend, zeitraubend, strapaziös und irre teuer. Sie brauchen Erholung. Die Probleme mit dem Chef sind immer noch da. Eigentlich gab es nur zwei Gründe, überhaupt zu verreisen: um sich lange auf die Reise zu freuen und vor Ort dann Ansichtskarten zu kaufen. Zu 80 Prozent Vorfreude, zu 20 Prozent Postkarten, das ist alles.

Das Schlimmste auf Reisen aber ist der Zwang, sich mit anderen Menschen auf Biegen und Brechen zu verbrüdern, etwa mit Mitgliedern der Reisegruppe "Bildungswoche Litauen - Rom des Ostens". Den Zimmernachbarn im Robinson Club Apulien. Den anderen Eltern auf Fehmarn. Man duzt sich sofort und liegt gemeinsam halbnackt am Strand, auf Rügen gänzlich entblößt. Unwillkommener Bekanntschaft kann nur entgehen, wer sich hinter einem sehr dicken Buch verschanzt. Doch die Hitze lässt die Buchstaben vor den Augen verschwimmen.

Es sei also den Globetrottern geraten: Verreisen Sie nicht. Verschleudern Sie nicht Ihr Geld, sondern investieren Sie es in Bücher. Geben Sie sich nicht mit anekdotischen Reiseimpressionen zufrieden. Essen Sie, was Ihnen bekommt, gemeinsam mit Menschen, die Sie sich selbst aussuchen, im Lesesessel, auf dem Balkon oder an einem nahe gelegenen See. Und vertiefen Sie sich in Erkenntnisse von Autoren, die vor Ort gelebt haben. So verreisen Sie komfortabler, als Sie es physisch je könnten.