"Früh fördern"

Herr Dr. Bach, Sie haben 1996 im Rahmen des sogenannten "Runden Tisches des Sports" beim Bundeskanzler besonders dafür plädiert, das System der Kinder- und Jugendsportschulen der ehemaligen DDR aufzugreifen und im Interesse einer verbesserten Nachwuchsförderung sowohl in den neuen wie alten Bundesländern aus-, bzw. aufzubauen. Worin sehen Sie die Vorteile dieses Systems?

DR. BACH: Junge Talente müssen so früh wie möglich erkannt und gefördert werden. Sie dürfen aber nicht nur auf eine sportliche Karriere vorbereitet werden, sondern müssen auch für ihr berufliches Leben beste Voraussetzungen erhalten. Die Kinder- und Jugendsportschu-len in der ehemaligen DDR stellten bereits ein Verbundsystem zwischen sportlicher und schulischer Ausbildung dar. Befreit von ideologischen Zwängen haben wir heute 38 Elite-schulen des Sports. Hier werden die besten sportlichen Talente jeder Sportart zusammengeführt, an den Olym-piastützpunkten von besonders qualifizierten Trainern aus- und weitergebildet und erfahren daneben über das Gymnasium am gleichen Ort ihre schulische Unterrichtung. Zu dem Ver-bundsystem gehört schließlich noch ein Internat, durch das die weiträumige Zusammenzie-hung der Talente möglich wird. So können die Jugendlichen optimal auf eine erfolgreiche sportliche Laufbahn wie auch auf ihre künftige berufliche Karriere vorbereitet werden.

Wie effizient arbeitet Ihrer Meinung nach dieses Verbundsystem der Eliteschulen im Sport? Sind nicht angesichts der nachlassenden internationalen Erfolge in jüngerer Zeit viele kriti-sche Fragen zur Nachwuchsförderung öffentlich diskutiert worden?

DR. BACH: In der Tat ist die Frage zu stellen, wie wir mit unseren Talenten in Deutschland wuchern. Nach meinen Beobachtungen tun wir es zumindest nicht in angemessenem Maße. Das gilt aber für alle Bereiche unseres Lebens. Immerhin hat der Sport mit den Eliteschulen schon einen sehr beachtlichen Schritt nach vorne getan. Nehmen Sie nur die olympischen Sportarten.

Bei den letzten Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City wie bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 haben Eliteschüler fast zwei Drittel aller Medaillen für die deutsche Mannschaft errungen. Aber wir sind mit diesem System noch nicht am Ziel. Das frühzeitige Aufspüren von Talenten muss noch verbessert werden.

Hier müssen Vereine und Schulen vor Ort noch besser kooperieren, und ich muss Ihnen nicht sagen, dass die Situation im Schulsport in Deutschland vollkommen unbefriedigend ist.

In Deutschland ist es modern geworden, von Eliten zu sprechen. Jüngstes Beispiel ist das Streben nach Elite-Universitäten. Bringt uns dieses Streben wirklich weiter oder überdeckt dieses Etikett nur die wahren Probleme?

"Früh fördern"

DR. BACH: Begriffe bringen uns in der Tat nicht weiter. Aber bei den Eliteschulen des Sports stimmen Anspruch und Leistung überein. Und natürlich müssen wir über Eliten nicht nur re-den, sondern sie fördern. Umgekehrt kann es nicht sein, dass der Begriff der Leistungselite überhaupt umstritten ist. Stellen Sie sich vor, dass von 1996 bis 2001 darum gesellschaftspolitisch gestritten wurde, die 38 vorbeschriebenen Einrichtungen Eliteschulen nennen zu können.

Erst jetzt setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir in allen gesellschaftlichen Bereichen der Leistungseliten bedürfen. Nivellierung führt zum Niedergang, während herausragende Leis-tungen motivierend für das ganze Umfeld wirken.

Sie sind Schirmherr der Sportförderaktivitäten der Sparkassen-Finanzgruppe. Inwieweit nehmen Sie dabei Einfluss auf eine gezielte Nachwuchsarbeit?

DR. BACH: Zunächst habe ich erfreut zur Kenntnis genommen, in welchem Umfang die Sparkassen die Jugendarbeit in den Vereinen vor Ort auf breitester Ebene unterstützen. Bundesweit sind hier im vergangenen Jahr 60 Millionen Euro investiert worden. Davon etwa zwei Drittel alleine in die vorbeschriebene Vereinsarbeit. Die Sparkassen sind damit Deutschlands nichtstaatlicher Sportförderer Nummer Eins. Die Sparkassen-Finanzgruppe hat vor allem auch die Idee der Eliteschulen gleich 1996 offensiv aufgenommen und fördert sie seither durch die Finanzierung konkreter Projekte. Im Augenblick steht der Bereich des sogenannten e-learnings im Fokus. Die jungen Sportlerinnen und Sportler werden bei ihren Wettkampfreisen von den Lehrern elektronisch begleitet und verpassen so ihren Lehrstoff nicht, bzw. können Übungen auch extern erledigen.

Welchen Wunsch haben Sie für unsere junge Elite?

DR. BACH: Dass sie sich ihren Leistungswillen erhält und dass sich diese jungen Menschen noch mehr untereinander interdisziplinär austauschen. Der Leistungswille ist Teil des Persönlichkeitsbildes, das verbindet die junge Leistungselite aus Wissenschaft, Kultur und Sport.