Die katastrophale Wirtschaftslage Irans wird von Beobachtern vielfach als das zentrale Motiv der Regierung unter dem neu gewählten Präsidenten Hassan Ruhani angesehen, den Atomstreit – und damit die Sanktionen gegen das Land – so schnell wie möglich zu beenden. Es gibt jedoch weitere Gründe: So spielen vor allem die innenpolitische Mäßigung und der neue Konsens in der Sicherheitselite des Landes, aber auch die veränderte Lage in der Region eine wichtige Rolle.

Zu Beginn der Atomverhandlungen standen sich in Teheran in der Nuklearfrage zwei verschiedene politische Lager gegenüber: jene, die in revolutionärer Tradition davon ausgingen, dass der Westen vor allem wegen der islamischen Identität des Landes und wegen seiner unabhängigen – sprich anti-westlichen – Politik insgeheim an einem Regimewechsel arbeite. Die Verhandlungsbereitschaft des Westens ist nach dieser Lesart nur vorgetäuscht, eine Lösung unmöglich. Dem wurde von den Reformisten unter Mohammed Chatami und den von Ali Akbar Haschemi Rafsandschani geführten Pragmatikern entgegengehalten, dass eine Verhandlungslösung möglich und notwendig sei und mit entschlossener und konstruktiver Verhandlungsführung auch zu erreichen.  

Das Entgegenkommen Chatamis in den Jahren 2004 und 2005 (Anreicherungsstopp, Unterzeichnung des Zusatzprotokolls zum Atomwaffensperrvertrag) ist vor dem Hintergrund dieser Auseinandersetzung zu verstehen. Revolutionsführer Chamenei, dessen Aufgabe es ist, alle Strömungen des Regimes zusammenzuhalten, stand damals wie heute ungeachtet seiner persönlichen Ansichten – er gilt als ausgesprochener Kritiker des Westens – zwischen beiden Positionen und hat den konstruktiven Fortgang der Gespräche unter Chatami nicht behindert.

Komplizierter wurde die iranische Position während der Präsidentschaft Mahmud Ahmadineschads. Der begnadete Populist ruinierte die iranische Verhandlungsposition mit seinen berüchtigten Aussagen über Israel und den Holocaust. Doch eigentlich war gerade er sehr an einer Einigung in der Nuklearfrage und in diesem Zusammenhang an einer Verbesserung des iranisch-amerikanischen Verhältnisses interessiert, eine Haltung, mit der er seine Anhänger irritierte.

Kein politisches Mandat für Konfrontationspolitik

Gegen Ende seiner Amtszeit, spätestens ab Ende 2011, wurden die Absichten Ahmadineschads klarer: mit einer Einigung in der Nuklearfrage und einem besseren Verhältnis zu den USA hätte es ihm gelingen können, innenpolitisch mehr Macht an sich zu reißen, als iranischen Präsidenten vom politischen System des Landes zugestanden wird.

Seine stille Entmachtung durch den Revolutionsführer ab 2012 ging mit der Stärkung der Position des Nuklearverhandlers Said Dschalili einher, dessen Politik als "Widerstandsdiplomatie" von jenen gut vernetzten extremistischen Kreisen gelobt wurde, die sich enttäuscht von Ahmadineschad abgewandt hatten.

Doch bei den Präsidentschaftswahlen 2013 wurde deutlich, dass kein iranischer Präsident ein politisches Mandat bekommt, wenn er auf Konfrontation in der Gesellschaft und mit der internationalen Gemeinschaft setzt. Bis auf Dschalili und dem weitgehend unbekannten Mohammed Gharazi sprachen sich alle Kandidaten für Dialog mit der internationalen Gemeinschaft aus, darunter auch solche wie der Bürgermeister von Teheran, Bagher Qalibaf, die vor fünfzehn Jahren noch einen harten Kurs vertraten.