Die Artenvielfalt ist verwirrend. Volkswagen bietet für den Golf drei Variationen des TDI-Dieselmotors mit 1,6 Litern Hubraum an: den BlueMotion Technology, den BlueMotion und den Blue TDI. Blau wie Himmel und Wasser sind sie nach dem Willen der Namensgeber also alle, Klarheit und Reinheit sind die offenkundig erwünschten Assoziationen.

Die im Namen blau markierten TDIs sind aber nicht gleich sauber. Nur der Blue TDI erfüllt die Abgasnorm Euro 6, die von September 2014 an für alle neu typgeprüften und ein Jahr später für alle neu zugelassenen Autos verpflichtend wird. Für 800 Euro Aufpreis baut VW einen Speicherkatalysator in den Golf, der die Stickoxidemissionen reduziert.

Das Gas schädigt die Atemwege und ist für Passanten, Radler und Hinterherfahrer leicht an seinem stechenden Geruch zu identifizieren. Bei der bisher gültigen Euro-5-Norm dürfen Dieselmotoren davon maximal 180 Milligramm pro Kilometer (mg/km) ausstoßen. Der künftige Grenzwert liegt bei 80 mg/km und damit nur noch ein Drittel über dem der Benziner. Ohne zusätzliche Reinigungstechnik ist das nicht erreichbar.

Beim Golf, dem meistverkauften Auto in Deutschland, reicht auch für den stärkeren TDI-Motor mit zwei Litern Hubraum noch ein Speicherkatalysator. Der Golf steht exemplarisch für seine Fahrzeugklasse. Ein Segment höher und schwerer müssen die Hersteller einen erheblich größeren Aufwand treiben, um die strengere Abgasnorm zu erfüllen.

AdBlue-Technik verlangt zusätzlichen Tank

Beispielhaft dafür ist der Familien-Van Zafira Tourer von Opel mit dem 1.6-CDTI-Motor. Er hat den kleinsten Hubraum in der Dieselpalette, aber mit 100 kW (136 PS) die stärkste Leistung beim geringsten Normverbrauch (4,1 Liter je 100 Kilometer). Mit der SCR-Technologie erreicht er die Euro-6-Norm. Das Kürzel steht für "selektive katalytische Reaktion" oder, vereinfacht gesagt, für das Einspritzen einer wässrigen Harnstofflösung in den Auspuffstrang. Die Flüssigkeit mit dem Marketingnamen AdBlue spaltet das Stickoxid in Stickstoff und Wasserdampf auf.

Bei Lkw ist dieses Verfahren zur Reduzierung von Stickoxidemissionen längst etabliert. In Autos dagegen kommt es noch selten zum Einsatz, zum Beispiel in den Dieselversionen des Mercedes-Benz ML und des Mazda CX-7. Der Vorteil der SCR-Technik: Die Reinigung ist effektiv, und zugleich steigt der Verbrauch nicht, er kann laut Opel sogar sinken.

Der Nachteil ist, dass die Harnstofflösung in einem zusätzlichen Tank mitgeführt werden muss. Auch wenn er vergleichsweise klein ist: Er kostet Platz und Geld. Zudem kann es passieren, dass er zwischen den Wageninspektionen leer wird und aufgefüllt werden muss. Die Autohersteller vermeiden darum diese Lösung und setzen auf den Speicherkatalysator, falls das ausreicht.