So muss es sich anfühlen, einen ICE zu fahren. Die Sitzposition ist erhaben, die Kanzel übersichtlich – man fährt wie auf Schienen. Der Opel Zafira wird seinem Zweitnamen Tourer wunderbar gerecht. Die Marketingabteilung hat nicht versucht, einen Van, bei dem es um Platz, Variabilität und Alltagstauglichkeit geht, über eine "Sport"-Bezeichnung zum Dynamiker umzuformen.

Das tut dem Fahrzeug und den Passagieren gut, denn die übertriebene Härte, die viele moderne Fahrwerke an den Tag legen, fehlt hier. Gelassen und komfortabel geht es auf lange Strecken. Und so sauber, wie es die Technik in einem Diesel heute zulässt: ZEIT ONLINE hat den 1.6 CDTI als Testwagen geordert. Der Dieselmotor hält über einen SCR-Katalysator die Abgasnorm Euro 6 ein und ist ab einem Listenpreis von 28.250 Euro zu kaufen.

Dass der Normverbrauch von 4,1 Litern Diesel je 100 Kilometer, was 109 Gramm CO2 je Kilometer entspricht, beim besten Willen nicht zu erreichen war – geschenkt. Auf einer entspannten Fahrt über die Bundesstraße 73 von Hamburg zum Fischereihafen in Cuxhaven an der Nordseeküste verbrauchte der Opel Zafira Tourer je 100 Kilometer 4,6 Liter Diesel; über unsere gesamte rund 900 Kilometer lange Testdistanz lag der Durchschnitt bei 5,5 Litern.

Das ist ein ausgezeichneter Wert für ein so großes Auto, das für bis zu sieben Personen Platz hat und den Volkswagen Touran als wichtigsten Wettbewerber im Raumangebot überbietet. Der Opel-Van versucht die klassische Paarung aus der Flexibilität eines Kleinbusses mit den Außenmaßen eines Kombis. Familien lieben dieses Konzept, und das sicher nicht nur, weil sich zwei Kindersitze so weit voneinander entfernt anbringen lassen, dass das physische Austragen von Geschwisterkonflikten wirksam unterbunden wird.

Stickoxide wegreagiert

Der eigentliche Fortschritt in dieser Version des Zafira Tourer steckt aber unter der Haube. Opel bietet eine Unzahl von Motorvarianten an, von denen allein der 1.6 CDTI die Euro 6-Norm erfüllt. Beim Konkurrenten VW Touran ist das gar nicht zu haben. Besonders Privatkunden, die eine lange Haltedauer planen, sollten darauf achten. Euro 6 tritt am 1. September 2014 für alle neue typgeprüften und ein Jahr später für alle neu zugelassenen Autos in Kraft. Euro-5-Fahrzeuge sind dann von gestern.

Bisher hatten die Dieselmotoren vor allem mit dem Filtern von Feinstpartikeln zu kämpfen. Jetzt bereitet ihnen die Reduktion der gesundheitsschädlichen Stickoxide das größte Problem. Diese Abgase erkennt man leicht an ihrem stechenden Geruch. Autos von der Größe des Zafira Tourer schaffen die neuen Grenzwerte nur mithilfe eines SCR-Katalysators. Das Kürzel steht für selektive katalytische Reaktion. Dabei wird Ammoniak in den Abgasstrang eingespritzt, wodurch die Stickoxide zu den harmlosen Endprodukten Wasser und Stickstoff reagieren.

Das Ammoniak wird nicht in Reinform, sondern als 32-prozentige wässrige Harnstofflösung in einem zweiten Tank mitgeführt, dessen kleiner Einfüllstutzen sich direkt neben dem für den Dieselkraftstoff befindet. Bei Lkw ist das inzwischen ein alter Hut, und für die neue Flüssigkeit hat sich der Vermarktungsname AdBlue eingebürgert.