Bei der Eröffnung der IAA in Frankfurt hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Ziel bekräftigt, im Jahr 2020 sollten in Deutschland eine Million Elektrofahrzeuge unterwegs sein. Doch dieses Ziel ist ohne Kaufförderung nur unter sehr optimistischen Annahmen zu erreichen, wie eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) zeigt.

Entscheidendes Kriterium ist die Wirtschaftlichkeit der E-Autos im Vergleich zu Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb. Um das ehrgeizige Regierungsziel zu schaffen, müssten der Studie zufolge die Batteriepreise bis 2020 deutlich sinken, der Strompreis dürfe nur geringfügig steigen und zugleich müssten Benzin und Diesel spürbar teurer werden. In dem positiven Szenario, in dem das Regierungsziel erreicht wird, müsste der Benzinpreis bis 2020 auf 1,79 Euro je Liter steigen; im Moment liegt der Literpreis bei etwa 1,56 Euro. Zudem dürfte der Strompreis für Privathaushalte je Kilowattstunde nur leicht auf 29 Cent zulegen.

In einem ungünstigen Szenario haben die Wissenschaftler für 2020 gerade einmal 150.000 bis 200.000 Elektroautos auf deutschen Straßen errechnet. Das wäre weit vom Regierungsziel entfernt. In diesem Szenario bleibt der Benzinpreis gegenüber 2013 unverändert, und der Strompreis steigt auf 33 Cent je Kilowattstunde.

Um die höheren Anschaffungsausgaben über die niedrigeren Verbrauchskosten zu amortisieren, müssten E-Autos viel gefahren werden, schreiben die ISI-Forscher. Bei Fahrleistungen bis etwa 15.000 Kilometer im Jahr dominiere weiter der Benzinmotor. Bei hohen Fahrleistungen wiederum konkurriert der Elektroantrieb mit dem Dieselmotor. Dann lohne sich ein Elektroauto vor allem "bei relativ gleichmäßigen täglichen Fahrzyklen". Dies sind etwa Berufspendler, die jeden Tag beispielsweise aus Vororten zum Arbeiten in die Städte fahren.

Deshalb sehen die Forscher auch nur begrenztes Potenzial von Elektroautos unter den Dienstwagenfahrern. Sie legten oftmals eher lange Einzelwegstrecken zurück, was sich für den Elektroantrieb weniger eigne. Interessanter für die Verbreitung von Elektroautos sind demnach gewerbliche Flotten mit ihren tendenziell regelmäßigeren Strecken. Sie machen rund ein Drittel des Neuwagenmarkts aus. Bei Unternehmen falle bei der Anschaffung von E-Autos, wie bei anderen Ausgaben auch, die Mehrwertsteuer weg, wodurch sich der Kaufpreis verringere.

Darum empfiehlt Projektleiter Martin Wietschel vom Fraunhofer ISI – falls die Politik überhaupt eine Förderung der E-Mobilität erwägt – das Gewerbe in den Fokus nehmen: "Verschiedene Maßnahmen wie die Einführung von Sonderabschreibungsmöglichkeiten könnten hier den Markthochlauf beschleunigen", sagt Wietschel.

Nur geringe Chancen für reine Elektroautos

Wenig erstaunlich: Unter Privatkunden sehen die Experten Potenzial vor allem bei denen, die über eine Garage oder einen Stellplatz verfügen, denn dort kann am normalen Stromanschluss über Nacht die Batterie wieder aufgeladen werden. Allerdings sehen die Forscher Unsicherheiten, die den Erfolg von E-Autos vor allem bei Privatkunden beeinflussen: der künftige Restwert von Elektrofahrzeugen und die Bereitschaft, trotz eingeschränkter Modellauswahl auf ein Auto mit E-Antrieb umzusteigen. Immerhin haben deutsche Pkw-Hersteller 16 elektrisch betriebene Modelle bis Ende 2014 angekündigt.

Letztlich rechnen die ISI-Forscher damit, dass Fahrzeuge, die neben dem Elektroantrieb noch einen konventionellen Motor haben, auch in den kommenden Jahren einen erheblich größeren Marktanteil haben werden als reine Batteriefahrzeuge – etwa im Verhältnis 3:1. Das dürften manche Hersteller nur ungern hören: Volkswagen und BMW haben auf der IAA gerade rein elektrisch angetriebene Modelle vorgestellt, den VW e-Up und e-Golf sowie den BMW i3.

Noch ist der Absatz von reinen Elektroautos gering: Im August wurden in Deutschland rund 214.000 Neuwagen zugelassen, darunter 435 Stromer. Das Fraunhofer ISI erstellte die Studie im Auftrag der Nationalen Plattform Elektromobilität, einem Beratungsgremium der Bundesregierung, und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften.