17 Minister an 17 Tagen: ZEIT ONLINE bewertet die Arbeit aller Regierungsmitglieder. Was haben sie geleistet? Woran sind sie gescheitert? Täglich erscheint ein weiteres Kurzporträt unserer Ministerbilanz.

Peter Ramsauer hat sein Amt im Herbst 2009 sicher gern angetreten: Während der Eröffnung einer neuen Ortsumgehung ein rotes Band durchschneiden – inklusive Foto am nächsten Tag in der örtlichen Presse, so etwas liegt dem Oberbayer. Das Problem ist nur: Der Posten als Bundesverkehrsminister bringt ganz andere Baustellen mit sich. Solche, an denen sich schon seine Vorgänger erfolglos abgearbeitet haben.

Eine davon ist die Deutsche Bahn. Jüngst fielen am Mainzer Hauptbahnhof wegen Personalmangels im Stellwerk reihenweise Züge aus. Das fällt auch auf den Minister zurück, schließlich ist der Bund alleiniger Eigentümer des Konzerns. Die Bahn wurde vor allem unter Rot-Grün und dem damaligen Bahnchef Hartmut Mehdorn gnadenlos auf Börsenfähigkeit getrimmt. Dass es seit Jahren an zuverlässigen Zügen und Personal fehlt, hat Ramsauer lediglich geerbt.

Als Entschuldigung greift das trotzdem nicht. Seit fast vier Jahren liegt es in Ramsauers Macht, die Dinge zu verändern. Doch wenn es brenzlig wird, duckt sich der CSU-Politiker weg. Ramsauer meldet sich erst zu Wort, wenn er nicht mehr entkommen kann. Als die Bahn im Winter 2010 mit massiven Problemen kämpft und nach Zugausfällen und stundenlangen Verspätungen den Kunden gar vom Zugfahren abrät, empfiehlt Ramsauer lediglich "ein bisschen Demut vor der Natur".

So wirkt Ramsauer oft auffallend unbeteiligt, wenn es um Baustellen geht, die in seine Zuständigkeit fallen. Das war etwa im Streit um den Tiefbahnhof Stuttgart 21 der Fall, wie auch in der Debatte über den neuen Großstadtflughafen BER in Berlin.

Wohlwollend könnte man über den Minister sagen: Er hat ein Gespür für problematische Themen, mit denen er in der Öffentlichkeit nicht punkten kann. Dann weicht Ramsauer auf Nebenkriegsschauplätze aus, auf denen er sich als zupackender Minister zeigen kann. So verhalf er Lokalpatrioten wieder zu alten Nummernschildkürzeln und setzte sich dafür ein, die Kundensprache bei der Bahn von Anglizismen zu befreien.

Häufig agiert Ramsauer nach der Maxime: Hauptsache, eine gute Schlagzeile. Darum schimpfte er lieber medienwirksam über die angeblich so vielen "Kampfradler", als sich im Hintergrund für einen neuen Nationalen Radverkehrsplan einzusetzen, der den Städten dabei hilft, dass die Infrastruktur mit dem wachsenden Radanteil Schritt hält.

Erfolgreich war Ramsauer mit einem weiteren Lieblingsprojekt: der Reform des Punktekatalogs. Das System der Verkehrssünderdatei in Flensburg sollte einfacher und transparenter werden. Allerdings musste Ramsauer einen Kompromiss akzeptieren, der erst kurz vor der Sommerpause gefunden war. Der rot-grün dominierte Bundesrat hatte Ramsauers Konzept in den Vermittlungsausschuss verwiesen. Doch der Minister weiß: Solange über Flensburger Punkte diskutiert wird, sind die wirklich heiklen Dinge aus der Schusslinie.

Etwa die marode Infrastruktur. Hier verweist Ramsauer gern auf seinen zu geringen Etat. Inzwischen hat er zumindest beschlossen, umzuschichten und mehr für Erhalt und Instandsetzung als für Neubau auszugeben.

Ramsauer gelang es innerhalb der Regierung bislang nicht, für die Infrastruktur entscheidend mehr Geld herauszuschlagen. Dafür müsste Ramsauer auch energischer gegenüber dem Finanzminister auftreten. Doch er bringt lieber die Pkw-Maut als Lösung aufs Tapet – wohl wissend, dass er damit in der Schwesterpartei CDU und beim Koalitionspartner FDP auf großen Widerstand stößt. Nach dem klaren Sieg der CSU bei der bayerischen Landtagswahl dürfte das Thema auf der Agenda bleiben – falls die Union am Sonntag die Bundestagswahl gewinnt und wieder Regierungspartei ist. Dann sitzt auch Ramsauer wieder als Verkehrsminister am Kabinettstisch.