Sie waren die Lieblinge des Jaguar-Chefs Sir William Lyons und wurden dennoch nach wenigen Jahren schon ein Opfer der Katerstimmung im Coventry der siebziger Jahre. Das hinderte die Jaguar XJ Coupés aber nicht an einer Karriere als stilvolle und zeitlos schöne Zweitürer. Das XJ Coupé deklassierte mit seinem 5,3 Liter großen Zwölfzylinder sämtliche Konkurrenten. Doch auch mit dem bescheideneren 4,2-Liter-Sechszylinder galten die 4,85 langen Hardtop-Coupés von 1973 bis 1977 als Inbegriff distinguierter Britishness.

Was bereits bei der XJ-Limousine von 1968 gelang, kam 1973 beim XJ Coupé in ungeahnter Brillanz zur Geltung: Proportionen und Details, die dem zweitürigen Jaguar erneut ein Alleinstellungsmerkmal im internationalen Automobilbau sicherten. Mit diesem Entwurf bestätigte Lyons, der bis 1972 die Unternehmensgeschicke direkt bestimmte, den Ruf von Jaguar, exklusive Fahrzeuge sportlicher Machart zu fertigen.

Die IAA-Weltpremiere im Herbst 1973 erlebte Lyons bereits aus der Perspektive des Ruheständlers. Die respektvollen Reaktionen der Jaguar-Konkurrenz dürften ihm aber Freude und Zuversicht gegeben haben. Zuversicht, dass Jaguar den Niedergang der einst mächtigen britischen Automobilindustrie überstehen würde. Jaguar fusionierte damals zuerst mit der British Motor Corporation zur British Motor Holding BMH und die BMH wiederum ging mit Leyland zusammen zum fast 20 Marken umfassenden Moloch British Leyland Motor Corporation (BLMC).

Ruf nimmt wegen Qualitätsproblemen Schaden

In dieser Zeit der Wirren wurde Jaguar von der Edelmarke zur einfachen Modellreihe degradiert und in einem Atemzug genannt mit Volksautos wie Mini oder Morris. Zudem wurde die Verarbeitung zunehmend schlechter. Die Folge war ein Rufschaden, der Jaguar über Jahrzehnte anhaftete.

Aber die Marke mit der Raubkatze überstand diese Krise ebenso wie die Ölverknappung von 1973/74 und den damit einhergehenden Absatzeinbruch bei leistungsstarken Luxusfahrzeugen. Modelle wie das XJ Coupé waren die Retter in der Not. Boten sie doch bei aller Exklusivität Value for Money – wenigstens dieses Markencredo musste Jaguar trotz der neuen Konzernherren nicht aufgeben. Dafür wurden die Jaguar Coupés nach der Verstaatlichung der BLMC im Juli 1975 zeitweise stillos als British Leyland XJ vermarktet.

Nach der IAA-Premiere dauerte es noch mehr als ein Jahr, bis die Produktion der zweitürigen Modelle XJ6 und XJ12 im Januar 1975 anlief. Der verspätete Serienstart geht allerdings nicht auf das Konto der Konzernwirren. Das Konzept eines Hardtop-Coupés ohne B-Säulen und mit vorn und hinten voll versenkbaren, rahmenlosen Seitenfenstern erwies sich als problematisch. Die vorgesehenen Karosserieversteifungen genügten anfangs nicht, die Passungen der hinteren Scheiben stimmten nicht. Auch nach Beseitigung dieser Mängel blieben laute Windgeräusche ein Kennzeichen der Coupés.