Viele Menschen lieben den bequemen Online-Einkauf von Büchern, Schallplatten und CDs über Elektrogeräte und Computerzubehör bis hin zu Bekleidung. Der deutsche Einzelhandel vertreibt fast zehn Prozent seiner Produkte über den Versandweg. Das entspricht einer Umsatzsumme von insgesamt 30 Milliarden Euro im Jahr – Tendenz steigend. Allein für den Platzhirsch Deutsche Post DHL sind mehr als 50.000 Zusteller unterwegs.

DHL schätzt, dass der Onlinehandel auf einen Anteil von 20 Prozent wachsen wird. Mit Konsequenzen für die Umwelt. Im Kampf um die Marktanteile peilen immer mehr Online-Händler eine Zustellung noch am selben Tag an. Bringdienste fahren parallel und nicht immer voll ausgelastet durch die Gegend, verbrauchen Benzin und schleudern Kohlendioxid in die Luft.

Online-Shopping kann und sollte umweltfreundlicher werden, findet der Verkehrswissenschaftler Matthias Schmidt. Dem Doktoranden an der TU Dresden schwebt vor, neben dem Standard- und Express-Versand eine zusätzliche klimafreundliche Lieferoption zu etablieren. Kunden sollten künftig beim Einkaufen im Internet die Wahl haben, sich für einen langsameren, aber dafür umweltfreundlichen Versand zu entscheiden. "Warten für das Klima" hat Schmidt seine Idee der Ökoversandoption genannt.

"Haben die Anbieter mehr Zeit, können Ressourcen in der Logistik maßgeblich geschont werden", sagt Schmidt. Bislang führten vor allem Expresslieferungen dazu, dass die Fahrzeuge nicht optimal ausgelastet sind. Bliebe den Versandunternehmen mehr Zeit, könnten die Lkws treibstoffsparender fahren und müssten nicht mehr halb leer über die Autobahn donnern. Pakete würden an den Umschlagplätzen länger gesammelt, um die Transportfahrzeuge komplett voll zu packen.

Versandoption kann dem Image der Anbieter helfen

"Die Vermeidung von Fahrten hat ein großes Einsparpotenzial", erläutert Schmidt. Schon drei bis fünf Tage erweiterten den Handlungsspielraum für eine effizientere und ressourcensparende Zustellung. Der Wissenschaftler kann sich sogar vorstellen, für Langstrecken einen Postwagen im Güterverkehr einzusetzen. Nach Berechnungen des Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu) produziert der Verkehr auf der Schiene bis zu drei Mal weniger Kohlendioxid als vergleichbare Transporte auf der Straße.

Schmidt glaubt, dass sein Konzept bei den großen Logistikdienstleistern Interesse findet. "Die Klima-Option dient dem Image der Unternehmen und entspricht unserem Zeitgeist", sagt der 27-Jährige. "Die Reduzierung von Kohlendioxid steht auf der Tagesordnung, warum sollten sich dem große Logistiker verschließen?" Schon jetzt bieten alle großen Zusteller klimaneutrale Versandarten an oder zumindest weniger klimaschädliche, durch Reduzierung des CO2-Ausstoßes oder durch Ausgleichen der unvermeidbaren Emissionen.

Der Dresdner Doktorand findet diesen Ansatz richtig – doch wenn man die Logistikprozesse verändere, könnte noch mehr CO2 eingespart werden. Laut DHL verursacht ein Paket vom Lager des Händlers bis zur Haustür bislang etwa ein halbes Kilogramm klimaschädliches Kohlendioxid. Das könnte viel weniger werden, ist sich Schmidt sicher, denn diese Berechnungen gehen alle von einer schnellstmöglichen Lieferung aus.