Zu Hause ist es doch am besten – zumindest für die Besitzer von Elektroautos. Hier in der Garage können sie in Ruhe den Akku wieder aufladen. Bei vielen klappt das auch noch am Arbeitsplatz. Aber jenseits dieser festen Stationen beginnt die raue Wirklichkeit. Dann wird der Elektroautofahrer mit zwei ungelösten Problemen konfrontiert: Es gibt in Deutschland keinen einheitlichen Ladesteckerstandard, sondern mindestens vier Systeme. Und will der Fahrer an einer Säule außerhalb seines heimischen Versorgungsgebietes Strom ziehen, fehlen das Kassenhäuschen sowie ein alternatives Bezahlsystem mit niedriger Zugangshürde.

So fällt Deutschland bei der Infrastruktur hinter Staaten wie den Niederlanden und Norwegen zurück. Und die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt hat keinen Masterplan, um das zu ändern.

Beispiel Renault Zoe: Das batterieelektrische Auto hat im Test von ZEIT ONLINE eine sehr gute Figur gemacht. Im Magazin auto, motor und sport besiegte er im direkten Vergleich sogar sein verbrennungsmotorisches Pendant, den Clio. Das Laden an einer öffentlichen Säule ist eine Freude – in Supermarkteinkaufszeit ist die Batterie gefüllt. Renault nutzt dafür den Typ-2- oder Mennekes-Stecker, der mit Wechselstrom arbeitet (siehe Infokasten).

Doch im Wagen fehlte das sogenannte Notladekabel, mit dem an jeder Haushaltssteckdose Strom gezapft werden kann. Das dauert zwar elend lange, und niemand, der erlebt hat, wie gut Schnellladesäulen funktionieren, wird diese Lösung bevorzugen – für Notfälle aber ist der alte Schukostecker eine gute Sache.

Den hat ein Volkswagen e-Up serienmäßig. Grundsätzlich kann der Wagen auch an den zurzeit am weitesten verbreiteten Wechselstrom-Ladesäulen mit Mennekes-Stecker tanken. Dazu muss der e-Up-Käufer 140 Euro zusätzlich in das Kabel investieren. Für weitere 590 Euro verfügt der e-Up über eine CCS-Buchse. Das Kürzel steht für Combined Charging System, einen neuen Gleichstrom-Schnellladestandard, der von den deutschen Autoherstellern favorisiert wird. Der Vorteil: CCS verträgt sich mit dem beliebten Typ-2-System von Mennekes.

Eigentlich aber ist CCS fürs richtig schnelle Laden von Gleichstrom gemacht. Leider gibt es zurzeit nur drei öffentliche CCS-Säulen: zwei in Wolfsburg und eine in München. Mit 50 Kilowatt Leistung ist eine leere Batterie in 30 Minuten zu 80 Prozent gefüllt. Das funktioniert perfekt – mit dem vierten etablierten und konkurrierenden Standard allerdings ebenso. Das ist die in Japan entwickelte Schnittstelle Chademo, was so viel bedeutet wie "auf eine Tasse Tee". Chademo-fähige Autos wie der Nissan Leaf und der Mitsubishi Outlander PHEV verkaufen sich global betrachtet sehr gut.

Ob sich das deutsche CCS oder Chademo durchsetzen wird, ist unklar. Sicher ist, dass es für die unterschiedlichen Ladestandards nur eine vernünftige Lösung gibt: Universalladesäulen, die alle Systeme vereinen. Sie sind wartungsfrei und für jeden erhältlich, der rund 30.000 Euro in die Hand nehmen will. Zu viel für Privatkunden, erschwinglich für Ketten wie Ikea, McDonald's und andere, die die Säulen auf ihren Parkplätzen anbieten könnten.