Wenn Elon Musk ankündigt, in Deutschland "viel Geld" zu investieren, werden viele hellhörig. Schließlich ist der US-Investor mit seinen Erfolgen im Internet, aber auch mit Projekten in der Raumfahrt berühmt geworden; 2003 gründete er den Elektroautohersteller Tesla. Nun ist das Erstaunen groß: Tesla steigt in die Mobilitätsinfrastruktur ein, will Deutschland bis Ende 2014 flächendeckend mit Schnellladestationen ausstatten. Zeigt ein Amerikaner der Autonation jetzt, wie das mit dieser Elektromobilität funktioniert?

Auch wenn Elektroautos als eine Technik der Zukunft gehandelt werden, ist das Interesse an den elektrisch angetriebenen Modellen hierzulande eher verhalten. Ein Grund ist die derzeit noch recht lückenhafte Abdeckung mit Ladestationen in Tateinheit mit der begrenzten Reichweite der Elektroautos. Nach rund 150 Kilometern müssen die meisten Modelle an die Steckdose. Die Ladezeit dauert je nach Station zwischen 30 Minuten (Gleichstrom-Ladestation) und etwa acht Stunden (Haushaltssteckdose).

Seit August vertreibt Tesla die Limousine Model S auf dem deutschen Markt. Bislang ist die Nachfrage eher verhalten – anders als etwa im Heimatmarkt des Herstellers in den USA oder auch in Norwegen, wo mehr Tesla S zugelassen werden als VW Golf. Die Elektrolimousine beeindruckt dank des 85 kWh großen Akkus mit einer Reichweite von 480 Kilometern, kostet allerdings auch gut 80.000 Euro.

Kunden laden kostenlos

Um potenziellen Interessenten die Reichweitenangst zu nehmen und mehr Alltagstauglichkeit zu bieten, will Tesla nun selbst die Ladeinfrastruktur ausbauen. "Bis Ende März 2014 sollen 50 Prozent von Deutschland mit Teslas Schnellladestationen abgedeckt sein, bis Ende des Jahres werden es 100 Prozent sein", teilt das Unternehmen mit. Die Bauarbeiten sollen innerhalb des nächsten Monats beginnen. Zuerst würden die sogenannten Supercharger entlang von Autobahnen zwischen München und Stuttgart, München und Zürich sowie Köln und Frankfurt errichtet.

In den USA setzt Tesla die Supercharger bereits ein, dort gibt es derzeit etwa 30 solcher Stationen. In der neuesten Generation laden die Stationen mit 135-kW-Gleichstrom. Damit ist nach Angaben des Herstellers die große Batterie des Model S in 30 Minuten fast voll geladen. So wie ein herkömmliches Auto mit leerem Tank auf der Autobahn rechts zur nächsten Tankstelle abfährt, steuert dann auch das Elektroauto mit fast leerem Akku eine Autobahn-Raststätte an, vor der eine solche Schnellladestation installiert ist.

Anschließen, Kaffee trinken, weiterfahren – das ist die Idee. Das Wort "bezahlen" kommt in dieser Aufzählung absichtlich nicht vor: Tesla-Kunden tanken auch in Deutschland, wie in den USA, an den Superchargern kostenlos, nach Auskunft des Unternehmens soll das auch so bleiben. Schon Ende dieses Jahres soll Deutschland mehr Supercharger-Stationen pro Kopf der Bevölkerung haben als irgendein anderes Land, verspricht Tesla.

"Es ist außerordentlich positiv, dass sich ein Autohersteller für den Aufbau von Infrastruktur für Elektroautos engagiert", sagt RWE-Geschäftsführer Norbert Verweyen. Der Stromversorger betreibt rund 1.300 öffentlich zugängliche Ladestationen in Deutschland, mit steigender Tendenz, und sieht sich bestätigt: "Der weitere Aufbau von Ladeinfrastruktur stärkt die Elektromobilität."