Angefangen hat alles ganz klein mit ein paar Motorradfahrern. 1903 wurde in Stuttgart die Deutsche Motorradfahrer-Vereinigung gegründet. Aus dem Klub für Motorradfans ist in den vergangenen 110 Jahren eine der erfolgreichsten und bekanntesten Organisationen in Deutschland geworden: ein Verein mit Milliardenumsatz, eine der wichtigsten Lobbygruppen des Landes, eine wertvolle Marke und Herausgeber der auflagenstärksten Zeitschrift Deutschlands.

Der ADAC, wie der Verein seit seiner Umbenennung 1911 in "Allgemeiner Deutscher Automobil-Club" genannt wird, prägt seit Jahrzehnten die Debatte um Mobilität in Deutschland. Jetzt will der Klub sogar eine der traditionsreichsten Rennstrecken der Welt kaufen, den Nürburgring. Für einen dreistelligen Millionenbetrag, wie es heißt. Das wirft Fragen auf: Woher kommt die Macht, der Einfluss – und vor allem das Geld des ADAC?

Über 100 Millionen Euro könnte der ADAC am Ende für den Nürburgring bezahlen, schätzt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Für den ADAC ist dieser Betrag kein Problem, das Geld ist da. Allein im Jahr 2012 verdiente der ADAC rund 110 Millionen Euro und damit mehr, als die Rennstrecke in der Eifel kosten würde.

Der eigentliche Automobilklub steuerte mit 25 Millionen Euro allerdings weit weniger als ein Viertel des Gewinns bei. Zwar zahlten die gut 18 Millionen Mitglieder im vergangenen Jahr Mitgliedsbeiträge in Höhe von mehr als einer halben Milliarde Euro, doch dieses Geld verwendete der ADAC vor allem für seine Pannenhilfe und andere Mitgliederservices. "Für den Kauf des Nürburgrings werden wir keine Mitgliedsbeiträge verwenden", sagt ADAC-Sprecher Kay Langendorff. Der Klub würde "andere Finanzierungsoptionen nutzen", falls er mit seinem Gebot erfolgreich ist.

Autoklub mit vielen Geschäftszweigen

Das bedeutet: Zumindest ein Teil der Summe für den Nürburgring würde aus der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienste GmbH kommen, einem verzweigten Geflecht von Tochtergesellschaften. Der ADAC hat es in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut, es ist inzwischen zur Gewinnmaschine des Klubs geworden. Die Tochtergesellschaften des ADAC erwirtschaften 2012 einen Gewinn von rund 85 Millionen Euro, das Eigenkapital liegt insgesamt inzwischen bei über 700 Millionen Euro.

Teil dieses erfolgreichen Geflechts ist zum Beispiel der ADAC Verlag, der die ADAC Motorwelt herausgibt. Sie wird monatlich an alle Mitglieder verschickt und ist die Zeitschrift mit der höchsten Auflage in Deutschland. Daneben gehören zum ADAC-Konglomerat unter anderem eine Autovermietung, eine Reiseagentur und seit Kurzem auch eine eigene Fernbuslinie. Auch das Finanzdienstleistungs- und Versicherungsgeschäft des ADAC ist zuletzt stark gewachsen und hat die Gewinne steigen lassen.

Trotz all dieser erfolgreichen Geschäftszweige ist der ADAC weiterhin ein eingetragener Verein. Dass der Autoklub an dieser Gesellschaftsform festhält, ist umstritten. Der Zweck eines eingetragenen Vereins darf nicht der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb sein, schreibt das Bürgerliche Gesetzbuch vor. Vereine sollen ideelle Ziele verfolgen. Immer wieder wurde der ADAC daher für seinen Expansionskurs und den Aufbau konzernähnlicher Strukturen kritisiert.