Fast 900.000 Autos musste Toyota Mitte Oktober weltweit zurückrufen, weil Wasser aus den Kondensatoren der Klimaanlagen die Airbags aus Versehen auslösen könnte. Es ist beileibe nicht der erste Rückruf des japanischen Herstellers – im Januar etwa holte er 1,3 Millionen Autos wegen eines Problems mit dem Steuergerät in die Werkstätten, im Oktober 2012 sorgte ein schadhafter Schalter für einen Massenrückruf von weltweit 7,4 Millionen Fahrzeugen. Auch andere Hersteller mussten Autos in die Werkstatt ordern, etwa im April dieses Jahres 1,9 Millionen Stück von Hyundai/Kia.

Die Inflation der Mängel liegt an der Gleichteilestrategie der Hersteller. Zahlreiche Komponenten werden heutzutage nicht nur in einem Modell, sondern gleich in ganzen Modellfamilien und sogar markenübergreifend eingesetzt. Kommt es auch nur zu einem kleinen Fehler, sind gleich Tausende Fahrzeughalter betroffen. Für die Industrie bedeutet das einen Imageverlust – und hohe Kosten.

Beides ließe sich häufig vermeiden. Längst nicht bei allen Fahrzeugen, die im Zuge einer solchen Aktion zurückbeordert werden, liegt der Fehler auch wirklich vor. Doch da niemand genau weiß, in welchem Auto die mangelhaften Komponenten tatsächlich eingebaut sind, werden sicherheitshalber ganze Chargen zurückgerufen, häufig die Produktion vieler Monate. Die meisten davon verlassen nach einem positiven Funktionscheck des betreffenden Bauteils wieder unangetastet die Werkstatt.

Einige Hersteller haben auf dieses Problem mittlerweile reagiert und ihre Produktion umgestellt. Sie rüsten nun bestimmte Bauteile mit individuellen Barcodes oder sogar Funkchips mit RFID-Technik aus. In den Codes sind unter anderem der genaue Produktionszeitpunkt und das verantwortliche Werk hinterlegt. Kommt es zu einem Problem, lässt sich nicht nur die Fehlerquelle viel schneller ermitteln, sondern auch feststellen, in welchen Fahrzeugen die mangelhaften Teile eingebaut sind. Und zwar exakt.

Vier statt viertausend

General Motors konnte auf diese Weise im Frühjahr anstelle eines großen Rückrufs für das Elektroauto Volt eine Mini-Aktion starten. Ohne die zurück verfolgbaren Teile hätten einem Bericht der Automotive News zufolge rund 4.000 Fahrzeuge zur Überprüfung in die Werkstatt gemusst. Dank der neuen Technik wurden letztlich nur die vier Volt zurückgerufen, bei denen der Fehler tatsächlich vorlag.

Auch andere Hersteller nutzen Barcodes und Funkchips zur Fehlersuche. Allerdings sind von den rund 15.000 Teilen eines Pkw bisher lediglich einige Hundert mit den Daten markiert – in der Regel zunächst große und teure Komponenten. Erst später werden auch kleinere Teile dazukommen.

Die Einführung der Technik ist zwar teuer, könnte sich aber schnell auszahlen. Der Softwarehersteller Teradata kommt – natürlich mit Eigeninteresse im Hintersinn – auf eine Senkung der Rückruf- und Garantiekosten um zehn bis 35 Prozent. Nicht eingerechnet sind darin die positiven Einflüsse auf das Image beim Kunden, denn die würden nur noch in wirklichen Problemfällen in die Werkstatt gebeten.