Dem Literaturnobelpreis hat es Albert Camus zu verdanken, dass er 1958 endlich den eher ärmlichen Verhältnissen entfliehen kann, in denen er 1913 in Algerien geboren worden war. Der Preis für seine Romane Die Pest und Der Fremde sowie die Essays Der Mensch in der Revolte und Der Mythos von Sisyphos ist mit einer ordentlichen Summe Geld verbunden. Mit dem kauft er einen einsamen Landsitz im südfranzösischen Lourmarin, in der Nähe von Avignon.

Zur Jahreswende 1959/60 schreibt er in Lourmarin am neuen Roman Der erste Mensch und empfängt das gut befreundete Pariser Ehepaar Michel und Janine Gallimard; Michel ist der Neffe des bekannten Verlegers Gaston Gallimard. Nun will Camus, mit rund 120 Seiten des begonnenen Romans im Gepäck, am 4. Januar mit der Bahn zurück nach Paris fahren. Doch die Gallimards bieten dem Schriftsteller an, die Rückfahrt mit ihnen und der Tochter Anne in dem rasanten Facel Vega vom Typ FV3B anzutreten – ein viersitziges Sportwagen-Coupé, das sich Gallimard gerade erst gekauft hat.

Der Facel Vega ist ein exklusiver dunkelgrüner Wagen mit einem so eleganten Design, das auch von Pininfarina erträumt sein konnte. Es wirkt so filigran und leicht, weil die Panorama-Windschutzscheibe direkt in die großen Seitenscheiben überzugehen scheint. Die Seitenfenster werden zudem nicht durch eine B-Säule unterbrochen, und das abgerundete Heck formt eine harmonische Einheit mit der riesigen Heckscheibe.

War der Wagen instabil?

Das Design ist so unwiderstehlich, dass auch Camus – eigentlich kein Autofan – nicht Nein sagen kann. Er nimmt Gallimards Einladung an, obwohl er bereits die Bahnkarte nach Paris hat. Camus selbst besitzt einen alten Citroën Traction Avant 11 CV, der Schriftsteller hat immer betont, kein Freund von Raserei zu sein. Ganz anders offenbar Gallimard: Der leichtsinnige, gut gelaunte Verlegerneffe jagt den Facel auf der Fahrt nach Paris mit viel zu hohem Tempo über nasse, rutschige Landstraßen.

Er hat bereits mehrere riskante Überholmanöver riskiert, als der Sportwagen schließlich auf der Nationalstraße 6 bei Villeblevin um etwa 14 Uhr nach einem Reifenplatzer bei 150 Stundenkilometer ins Schlingern gerät und an einer Platane zerschellt. Der Baum zerfetzt den Wagen, halbiert ihn. Camus ist auf der Stelle tot. Gallimard wird schwer verletzt und stirbt zehn Tage später. Die beiden Frauen, die im Fond saßen, überleben den Unfall.

Die genauen Ursachen wurden nie endgültig geklärt. Augenzeugen, die damals kurz vor dem Unfall auf der Nationalstraße 6 unterwegs waren, berichteten vom irrwitzigen Tempo des Facel Vega, aber auch von einem tänzelnden Schlingerkurs des Wagens kurz vor dem Knall des platzenden Reifens. Auszuschließen ist eine Mitschuld des Wagens nicht. Schon vor dem tragischen Unfall und auch danach produzierte Facel Modelle, die hurtig entwickelt wurden und dann auf der Straße Probleme aufwiesen. Etwa ein Cabrio, das das Unternehmen 1955 geschaffen hatte und dann extreme Stabilitätsprobleme zeigte. Die hatte auch der Excellence von 1958 mit freitragender Karosserie.