Der US-Autokonzern General Motors (GM) stellt die Marke Chevrolet in Europa weitgehend ein. Bis Ende 2015 solle Chevrolet in West- und Osteuropa vom Markt genommen werden, sagte GM-Vize und Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky. Lediglich Klassiker wie die Corvette sollen weiter verkauft werden. "Mit diesem Schritt können wir unsere Ressourcen darauf konzentrieren, die Marke und das Geschäft von Opel/Vauxhall zu stärken", sagte Girsky.

Insbesondere die Kleinwagen von Chevrolet kommen seit Jahren nicht über ein Prozent Marktanteil im europäischen Raum hinaus, Opel und die britische Schwester Vauxhall liegen bei sechs Prozent. In den ersten zehn Monaten 2013 verkaufte Chevy in Europa nach Zahlen des Branchenverbands Acea 25.752 Fahrzeuge – fast 18 Prozent weniger als im Vorjahr. "Die Finanzergebnisse sind inakzeptabel", sagte Girsky.

"Wenn wir nach vorne schauen, sehen wir, dass es für Chevrolet Europa sehr schwer werden würde", sagte der Europachef von Chevrolet, Thomas Sedran. Chevrolet-Kunden müssten sich jedoch keine Sorgen machen, sagte Sedran. Alle Garantien würden weiter gelten, Ersatzteile soll es bis mindestens 2025 geben.

Mit der Entscheidung setzt GM dem internen Konkurrenzkampf zwischen Opel und Chevrolet ein Ende. Beide Marken bieten in Teilen weitgehend identische Autos an. Die kleinen Geländewagen Opel Mokka und Chevrolet Trax gleichen sich ebenso wie die Kompaktwagen Astra und Cruze und die Mittelklassebrüder Insignia und Malibu. Dadurch haben sich die beiden Marken in Europa gegenseitig das Geschäft erschwert. Am auffälligsten ist dies beim Elektroauto Ampera, den es baugleich als Chevrolet Volt wesentlich günstiger gibt. Erst kürzlich hatte GM Sedran an die Spitze von Chevrolet Europa gehievt, um Wachstumsmöglichkeiten für die US-Marke auszuloten.

Cadillac soll Konkurrent für Daimler werden

Gleichzeitig mit dem Rückzug von Chevrolet will GM seine Luxusmarke Cadillac als Konkurrenten gegen die Oberklasse-Autobauer BMW, Daimler und Audi in Europa breiter aufbauen. "Europa ist ein sehr wichtiger Markt für GM. Wir werden von einer stärkeren Marke Opel und mehr Augenmerk auf Cadillac profitieren", sagte Konzernchef Dan Akerson. GM investiere bis 2016 mehr als vier Milliarden Euro in neue Modelle und Motoren, um das defizitäre Europageschäft zu stärken.

Zunächst kostet der Rückzug von Chevrolet aus Europa allerdings Geld: Der US-Konzern bezifferte die finanziellen Belastungen auf 700 Millionen bis eine Milliarde Dollar. Die Kosten fallen vor allem für Wertberichtigungen, den Umbau des Händlernetzes und Preisabschläge an. Wie sich dies auf das Ziel von Opel auswirkt, bis 2016 die Gewinnzone zu erreichen, ließ GM offen. Chevrolet hat in Europa etwa 520 Beschäftigte und 1.900 Händler.