Heute teilen die neudeutsch Premiumhersteller genannten Autobauer die obere Mittelklasse unter sich auf. Vor 40 Jahren stand dieses Marktsegment noch anderen Marken offen. Auch Ford hatte lange Zeit eine obere Mittelklasse, die in Tests häufig gegen die edleren und teureren Produkte aus Stuttgart und München antreten musste. Technischer Anspruch und Klientel waren unterschiedlich.

Das galt auch für das Ende der sechziger Jahre auf den Markt gebrachte 26M Coupé, das Spitzenmodell der 1967 vorgestellten Ford-Baureihe P7. Im direkten Vergleich zu einem Mercedes 250 C fiel das Kölner Edelmodell ab, doch für sich genommen war und ist es ein erlesenes Automobil. Das gilt erst recht aus der Oldtimer-Perspektive. Das einstige Spitzenmodell ist rar geworden.

Wer sich dem großen Coupé mit 2,6-Liter-Sechszylinder mit der aktuellen Ford-Palette nähert, staunt, wie die Brot-und-Butter-Marke damals beschaffen war. Echtholzpaneele, Automatikgetriebe und Servolenkung waren vor rund 45 Jahren ein Luxus, an den Fahrer eines NSU Prinz oder Käfer gar nicht dachten. Ein wenig ist die Noblesse noch nachzuempfinden, wenn man in den Zweitürer steigt – der Wagen ist mit seinen 4,72 Metern Länge selbst für heutige Verhältnisse ausladend.

Günstig war der Top-Ford damals nicht. 1970 kostetet das 26M Coupé 13.745 Mark und war damit auf Augenhöhe mit einem Mercedes-Benz Strich-Acht. Allerdings hätte man bei der Marke mit dem Stern für die Summe eine etwas magerer ausstaffierte Vierzylinder-Limousine anstelle eines edlen Coupé bekommen. Sechs Zylinder unter der Haube waren Bedingung, um in der automobilen Oberschicht wahrgenommen zu werden und ein Plus an Antriebskomfort zu erhalten.

Das Lenkrad im 26M, groß und dürr, hat viel Spiel und bewegt sich synthetisch mit hoher Unterstützung der Servopumpe. Auf diese Weise erhält das mächtige heckgetriebene Coupé eine gewisse Leichtigkeit. Im Stand blubbert der betagte Vergaser unmotiviert vor sich hin. Der Winter ist nasskalt-ungemütlich, das missfällt dem mit Startautomatik ausgerüsteten Einfach-Triebwerk. Es droht damit, den Dienst zu quittieren. Ein kurzer Tritt aufs Gaspedal bringt es jedoch auf Linie. Schnell Stufe D einlegen und losfahren.

Mit etwas höherer Drehzahl gewinnt der 92 kW (125 PS) starke Ottomotor deutlich an Laufkultur. Bei drei Fahrstufen ist es mit der Effizienz nicht weit her, besonders dynamisch ist der Wagen nicht – aber auch kein Verkehrshindernis. Zügig erreicht das Ford-Coupé Landstraßentempo.