Der ADAC hat Manipulationen beim diesjährigen Autopreis Gelber Engel eingeräumt. Wie die Süddeutsche Zeitung in ihrer Montagsausgabe berichtet, könnten die Zahlen bei dem angesehenen Preis jedoch schon seit mehreren Jahren manipuliert worden sein. Dies habe ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair der Zeitung bestätigt. Kommunikationschef Michael Ramstetter soll demnach die Teilnehmerzahlen zu der Umfrage zum "Lieblingsauto der Deutschen" über Jahre hinweg nach oben geschönt haben, um die Relevanz der Auszeichnung zu erhöhen.

Obermair kündigte in der Zeitung eine umfassende Aufklärung an. Erst vor wenigen Tagen hatte er bei einer offiziellen ADAC-Feier von "Unterstellungen und Unwahrheiten" gesprochen, nachdem die Süddeutsche Zeitung erstmals von den Mauscheleien bei der Preisverleihung berichtet hatte.

Kommunikationschef Michael Ramstetter hat die Verantwortung für den Betrug übernommen und ist zurückgetreten. Ausgestanden ist die Affäre für den ADAC damit aber nicht – es droht eine Vertrauenskrise.

Laut einer Mitteilung des Automobilklubs bedauert Ramstetter es, der Glaubwürdigkeit des ADAC Schaden zugefügt zu haben. Tatsächlich ließen die ersten Kritiker nicht lange auf sich warten. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sagte, weitere Betrugsfälle ließen sich nicht ausschließen. "Auch die Pannen- und Tunnelstatistik müsste man jetzt untersuchen", sagte er. Wenn beim Gelben Engel gelogen worden sei, könne man das für andere Bereiche nicht ausschließen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte nun Aufklärung: "Der ADAC hat jetzt die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Karten auf den Tisch gelegt werden." Großen Verbänden täte etwas mehr Bescheidenheit manchmal gut, fügte Dobrindt hinzu.

"Blendwerk und Selbstinszenierung"

Der konkurrierende Pannenhelfer Auto Club Europa (ACE) warf dem ADAC vor, mit seinen Auszeichnungen nur sich selbst zu dienen. Wer wirklich wissen wolle, welche Wagen am beliebtesten seien, solle auf die Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamtes schauen, teilte der ACE mit. "Demgegenüber ist alles andere offenbar nur Blendwerk und aufgeblasene Selbstinszenierung."

Hersteller Volkswagen, dessen Modell Golf bei der manipulierten Auszeichnung den ersten Rang erreichte, stellte den Wert des Preises angesichts der geschönten Zahlen infrage. Man müsse dem ADAC jedoch die Chance geben, den Vorfall aufzuklären.

Autozulieferer Bosch immerhin sieht keinen Anlass, seinen Gelben Engel in der Kategorie Innovation und Umwelt zurückzugeben. Der Innovationspreis werde von einem sechsköpfigen Expertengremium vergeben und nicht durch die Leserwahl bestimmt, sagte ein Sprecher. "Die Wertigkeit bleibt deshalb gleich hoch."

Dennoch sah sich der ADAC bereits dazu gezwungen, Schadensbegrenzung zu betreiben. Bei der Wahl des Lieblingsautos sei nur die Zahl der abgegebenen Stimmen verändert worden, und nicht die Rangfolge der Ergebnisse, hieß es. Bis 2015 werde aber ein notariell überwachtes Verfahren entwickelt, das über jeden Zweifel erhaben sei. Schließlich gelte es, Vertrauen zurückzugewinnen.