Die Aussage ist an sich schon fragwürdig: Der VW Golf sei "das Lieblingsauto der Deutschen", verkündete der ADAC am Montag. Tatsächlich hatten aber nur Mitglieder des Automobilclubs aus einer Reihe von Automodellen das Volkswagen-Kompaktauto zu ihrem Favoriten gewählt. Selbst wenn alle gut 18,4 Millionen ADAC-Mitglieder abgestimmt hätten, wäre das nur ein kleiner Teil der etwa 70 Millionen erwachsenen Deutschen.

Allerdings macht auch nur ein Bruchteil der ADAC-Mitglieder bei der jährlichen Wahl zum Gelben Engel mit. 290.000 sollen es 2012 gewesen sein, behauptet der Automobilclub. Dem widerspricht die Süddeutsche Zeitung: 2012 seien nur rund 76.000 gültige Stimmen gezählt und 70.000 ungültige annulliert worden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf interne ADAC-Unterlagen und nicht namentlich genannte ADAC-Mitarbeiter. Woher die anderen gültigen 214.000 Stimmen kommen, habe der ADAC nur "wolkig" erklären können, so das Blatt.

Ähnlich widersprüchlich ist dem Bericht zufolge auch das Ergebnis der Abstimmung zum Gelben Engel 2014. Auf den Sieger, den VW Golf, entfielen laut einem ADAC-Papier vom Dezember 2013 genau 34.299 Stimmen. In Wahrheit hätten aber nur 3.409 Menschen für das Siegerauto gestimmt, schreibt die SZ. Damit würden 1,4 Prozent der deutschen VW-Belegschaft ausreichen, das Lieblingsauto der Deutschen zu bestimmen.

Bisher gilt der Preis als wichtige Auszeichnung, mit der sich die gekürten Hersteller gern schmücken, etwa in Werbeanzeigen. Der Bericht über angeblich erfundene Stimmzahlen, die für eine Preisverleihung mehr hermachen, könnte dem ADAC massiv schaden. "Für den ADAC wäre das eine Katastrophe, er hätte ein massives Glaubwürdigkeitsproblem, das so schnell auch nicht mehr aus der Welt zu schaffen wäre", sagte Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer der SZ. "Der Preis wäre nahezu wertlos. Wer will so einen Preis denn noch entgegennehmen?"

Der ADAC räumt öffentlich lediglich ein, dass es bei der Wahl zum Gelben Engel 2013 "überproportional viele ungültige Stimmen" gegeben habe, die man aus der Wertung genommen habe. Für 2014 sei ein neues Regelwerk erstellt worden. Die Mitglieder können entweder im Internet abstimmen oder den Wahlcoupon aus der Mitgliederzeitschrift ADAC Motorwelt ausschneiden, darauf ihr Lieblingsmodell angeben und den Coupon einsenden. Der ADAC betont, dass das Onlineverfahren manipulationssicher sei.

Zu den im Bericht der Süddeutschen Zeitung genannten Ergebnissen will ADAC-Sprecher Christian Garrels nicht Stellung nehmen. Man habe sich entschieden, die Stimmzahlen für die Wahl zum Gelben Engel 2014 nicht zu veröffentlichen. Nur so viel: Der ADAC bestreitet die Manipulation. "Wir weisen die Behauptungen zurück und werden weitere Schritte prüfen", sagte Garrels ZEIT ONLINE. Der ADAC verleiht den Preis am Donnerstag feierlich an VW-Chef Martin Winterkorn. Der Club erwartet 400 Gäste aus Industrie, Wirtschaft und Politik.