Der diagonal über den Körper laufende Sicherheitsgurt wird in der Automobilgeschichte als eine der zehn wichtigsten Erfindungen gefeiert. "Der Sicherheitsgurt ist noch immer Lebensretter Nummer Eins – noch vor dem Airbag", sagt Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Die Vorschrift, dass Autohersteller den Gurt ins Fahrzeug einbauen müssen, besteht seit 40 Jahren: Am 1. Januar 1974 wurde in Deutschland der Einbau in Neuwagen zur Pflicht, später auch die Nachrüstung der Autos, die ab 1970 zugelassen wurden.

Das Anschnallen war erst mal freiwillig, eine Werbekampagne sollte die Autofahrer von der Sinnhaftigkeit überzeugen. Doch war sie offenbar wenig erfolgreich. Umfragen belegten, dass die große Mehrheit nichts gegen eine Einbaupflicht hatte, dass aber zugleich viele den Gurt als Freiheitsberaubung ansahen. Psychologen versuchten die Aversion damit zu erklären, dass "der Sicherheitsgurt primär mit den Gefahren eines Unfalls und seinen Folgen assoziiert wird" – der Gurt beschwöre Angst herauf, die man vermeiden wolle.

Trotz heftiger Debatten führte die damalige Bundesrepublik zum 1. Januar 1976 die Pflicht ein, sich auf den Vordersitzen anzuschnallen. Ein Verstoß führte aber nicht zu einem Bußgeld. Weil sich aber selbst Anfang der achtziger Jahre noch rund jeder dritte Autofahrer der Gurtpflicht verweigerte, führte der Bund Mitte 1984 schließlich doch ein Verwarngeld ein. Der drohende Griff nach dem Portemonnaie zeigte Wirkung: Danach stieg die Anschnallquote auf 90 Prozent. Wer heute im Auto ohne angelegten Gurt erwischt wird, muss 30 Euro zahlen.

Wie wichtig der Gurt ist, scheint den meisten Menschen inzwischen bewusst zu sein. Auf den Vordersitzen eines Pkw liegt der Anteil derer, die ihn anlegen, bei 98 Prozent. Trotzdem kommen immer noch Menschen ums Leben, weil sie während eines Unfalls nicht angeschnallt waren. Wie der DVR in Untersuchungen festgestellt hat, waren 20 Prozent der Getöteten im Auto nicht angeschnallt.

Mehrheit der Lkw-Fahrer verzichtet auf den Gurt

Viele Menschen sind der Meinung, dass sie sich im innerstädtischen Verkehr bei einem Unfall noch festhalten könnten. "Das ist ein absoluter Irrglaube", warnt Jürgen Bente. "Tests zeigen, dass man bei einem Frontalaufprall bereits ab einem Tempo von nur 10 km/h nicht mehr in der Lage ist, sich festzuhalten. Bei solch einem Unfall werden Kräfte frei, die von vielen komplett unterschätzt werden." Schon bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h seien tödliche Verletzungen möglich, wenn man nicht angeschnallt ist.

Nachholbedarf besteht besonders unter den Fahrern von schweren Lkw, sagt Bente. "Wer sich hier anschnallt, wird unter Kollegen nicht als Profi, sondern als Anfänger bezeichnet." 60 Prozent der Lkw-Fahrer schnallen sich demnach während der Arbeit nicht an. Erstaunlicherweise greifen die gleichen Leute beim Pkw sehr wohl zum Gurt.

Am Grundkonzept des Sicherheitsgurtes hat sich in den letzten 40 Jahren nicht mehr viel verändert – das System gilt als ausgereift. Und auch sämtliche andere Sicherheitstechnik, die in Fahrzeugen eingesetzt wird, ist darauf ausgelegt, das die Insassen angeschnallt sind, etwa die Airbags. Diese Systeme können den Menschen nur schützen, wenn er den Gurt umgelegt hat.

Wie vielen Menschen der Sicherheitsgurt bisher das Leben gerettet hat, ist unklar. Unfallforscher schätzen jedoch, dass dieses System statistisch alle sieben Sekunden ein Menschenleben rettet. Entwickelt wurde der Dreipunktgurt schon in den 1950er Jahren vom schwedischen Ingenieur Nils Bohlin. Sein Arbeitgeber Volvo baute ihn von 1959 an serienmäßig ein.